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Deutschland altert. Derzeit gewinnen die Deutschen pro Jahr ein Vierteljahr an Lebenszeit. Wir alle werden älter, und wir werden gesünder älter. Dies hat dazu geführt, dass die Menschen in Deutschland heute etwa durchschnittlich 19 Jahre in der Rente verbringen – 1975 waren es noch 12. Die Zahl der zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte sinkt durch den Geburtenrückgang. Ein Blick auf die Erwerbstätigenquoten von 55- bis 64-Jährigen im europäischen Vergleich zeigt, dass Deutschland hier mit rund 62 Prozent im oberen Drittel liegt, nachdem es zu Beginn des Jahrtausends mit knapp 40 Prozent noch unterdurchschnittlich abgeschnitten hat. Gerade höher qualifizierte Personen, wie Chirurgen oder andere Ärzte, schneiden schon heute sehr gut ab. Nichtsdestotrotz zeigt die noch immer vorhandene Lücke zu den führenden Ländern – Schweden, die Schweiz oder auch Norwegen – dass weitere Verbesserungen möglich sind.

Für die Medizin und gerade für uns Chirurgen ergeben sich daraus in den nächsten Jahren zahlreiche Fragen:

  • Wer versorgt die Patienten?
  • Kann mit einer verlängerten Lebensarbeitszeit der Arbeitskräfteausfall abgefangen werden?
  • Wer kann die im chirurgischen Alltag permanent geforderten, sehr komplexen feinmotorischen Bewegungsmuster situationsangepasst durchführen?
  • Soll und kann der Chirurg mit über 60 Jahren diese Operationen ausüben?
  • Gibt es strukturierte Altersmodelle in den Krankenhäusern, die es dem Chirurgen ermöglichen, bis zum 70. Lebensjahr trotz schwindender körperlicher Kräfte sinnerfüllt und für das Unternehmen auch sinnvoll weiter zu arbeiten?
  • Welche Möglichkeit hat der Kollege im Ärzteversorgungswerk zurzeit, flexibel seine Altersrente zu gestalten?

Der Berufsverband der Deutschen Chirurgen ist Europas größte Chirurgenvereinigung. In dieser Funktion stellt er sich den aktuellen Fragen, unterstützt und sucht nach Lösungen.
Auf dem 131. Chirurgenkongress im März in Berlin hat der Berufsverband mit der Sitzung „Rentner haben niemals Zeit – Bis wann kann man operieren“ sich dem Problem des älteren Chirurgen gewidmet. Durch das gesetzlich angehobene Rentenalter auf 67 Jahre kommt auf die jetzige Generation der Oberärzte in den Krankenhäusern eine neue Herausforderung zu. Das Referat „Oberärzte“ des BDC hat mit der Umfrage „Altersmodelle in der Chirurgie“ im Herbst 2013 festgestellt, dass es keine etablierten Altersmodelle an Kliniken in Deutschland gibt. Gewerkschaftliche Vertragsgrundlagen fehlen. Lediglich das Ärzteversorgungswerk bietet die Möglichkeit der Vorziehung der Regelaltersrente um bis zu fünf Jahre gegen einen pauschalen Abschlag.

Für die nächsten Jahre müssen Arbeitsmodelle in den Kliniken für ältere Kollegen gestaltet werden, die das Wissen, die Erfahrungen und das sogenannte implizierte Wissen über betriebsspezifische Abläufe einbinden.

Hierzu ist über betriebliche gesundheitliche Prävention, Lebensarbeitszeitkonten, lebensphasenorientierte Personalpolitik, „Teilrenten ohne Hinzuverdienstgrenzen“ zum gleitenden Ausstieg aus dem Arbeitsleben und sogenannte Demografie-Tarifverträge zu diskutieren.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. med. Gerlind Amtsberg

Amtsberg G. Editorial: Rentner haben niemals Zeit. Passion Chirurgie. 2014 November; 4(11): Artikel 01.

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Autor des Artikels

Dr. med. Gerlind Amtsberg

Stellv. Vertreterin der chirurgischen Oberärztinnen und Oberärzte im BDCUniversitätsmedizin GreifswaldUnfall- und WiederherstellungschirurgieSauerbruchstraße17475Greifswald kontaktieren

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