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Der Berufsverband der Deutschen Chirurgen (BDC) organisiert seit einem Jahr Informationsveranstaltungen zum Beruf des Chirurgen in vielen Universitäten Deutschlands. Im Jahr 2008 nahmen mehr als 1.500 Studierende die Gelegenheit wahr, sich vor Ort über die Karriere-möglichkeiten in der Chirurgie zu informieren.

Immer weniger junge Mediziner entscheiden sich dafür, Chirurg zu werden. Bereits mittelfristig droht der Deutschen Chirurgie ein Mangel an qualifizierten Operateuren. In den kommenden 10 Jahren gehen 50 % der niedergelassenen Chirurgen und ca. ein Drittel aller Krankenhauschirurgen in den Ruhestand. Nahezu 10.000 Stellen werden dann neu zu besetzen sein. Während dafür jährlich mindestens 1.000 Absolventen des Medizinstudiums eine chirurgische Karriere einschlagen müssten, sind es nach verschiedenen Hochrechnungen nur ca. 500 Berufsstarter jährlich, die sich für die Chirurgie entscheiden.

Genaue Zahlen gibt es nicht, weil die Landesärztekammern bisher keine solche Statistik führen. Nicht nur die Chirurgie hat mit einem Attraktivitätsverlust zu kämpfen, hier scheinen die Probleme aber besonders offenkundig zu sein. Neben der langen und oft unkalkulierbaren Weiterbildung scheinen die Ursachen auch in der hierarchischen Berufsstruktur, der Bürokratie und der hohen Arbeitsbelastung zu liegen. Anfang 2008 rief der Berufsverband der Deutschen Chirurgen auf Initiative des „Teams Junge Chirurgie“ im BDC die bundesweit angelegte Nachwuchskampagne „Nur Mut! Kein Durchschnittsjob – ChirurgIn“ ins Leben [1]. Mit ihr sollen gezielt Medizinstudenten in den klinischen Semestern angesprochen werden.

Wir wollen dabei nicht nur realitätsnah über unser Berufsbild informieren, sondern auch die faszinierenden Seiten der Chirurgie transportieren. Bereits mit der Pressekonferenz zum Auftakt erregte der BDC enorme Aufmerksamkeit, was sich in vielen Publikationen und Berichten in der Tagespresse und in Magazinen niederschlug.

Informationen zum Berufsbild des Chirurgen

Mit frechen Parolen wie dem doppelsinnigen: ‚Kein Durchschnittsjob’, Buttons mit ‚Schnitte’ oder ‚Aufschneider’, Plakaten, Postkarten und vor allen Dingen Informationsveranstaltungen an den Universitäten wird aktiv auf die zukünftigen Mediziner zugegangen. Auf den Postkarten und Plakaten wird bewusst mit einem Augenzwinkern auf den Berufsstand der Chirurgen geblickt. Die Motive und Slogans sollen Aufmerksamkeit und Interesse erregen. Ziel ist es, dass die Plakate in möglichst vielen Studenten-WGs hängen. Sie haben im letzten Jahr einen gewissen Kultstatus erreicht. Häufig verschwinden sie schon am Tag des Aufhängens aus den Kliniken und Hörsälen.

Für alle Interessenten an dieser Stelle die erfreuliche Nachricht: Sie können die Plakate gern kostenfrei beim BDC bestellen. Eine E-Mail an [email protected] genügt. Auf der Internetseite der Kampagne unter www.chirurg-werden.de findet der Interessierte dann ausführliche Informationen zu den Facetten chirurgischer Tätigkeit, der chirurgischen Weiterbildung und den 8 Säulen im Gebiet Chirurgie. Eine ausführliche Begleitbroschüre zur Kampagne wird gerade fertiggestellt und im Mai verfügbar sein. Hier stellen Kolleginnen und Kollegen ihre chirurgische Disziplin vor, berichten über Faszination und Probleme und erläutern, wie sie den Spagat zwischen Berufs- und Privatleben meistern.

Die gesamte Kampagne ist vom Prinzip getragen, ehrlich und transparent über den chirurgischen Beruf zu informieren. Es wird deshalb nichts beschönigt und verharmlost. Die Chirurgie wird nie ein Beruf mit geregelten Arbeitszeiten sein. Durch Initiativen einzelner Krankenhäuser (z. B. durch betriebseigene Kindergärten) wird der chirurgische Beruf aber immer besser mit dem Privatleben vereinbar und deshalb für junge Kolleginnen und Kollegen attraktiv bleiben.

Informationsveranstaltungen in Universitäten

Kernstück der Kampagne sind neben den Aufmerksamkeit erregenden Motiven und der Webseite vor allem die Informationsveranstaltungen in Universitätskliniken. Mit großer Unterstützung der Ordinarien, die sich in der Regel persönlich an der Veranstaltung vor Ort beteiligten, wurde ein erfolgversprechender Termin vereinbart. Besonders große Resonanz bei den Studenten wurde erreicht, wenn die „Nur Mut!“-Informationsveranstaltung an den Anfang des Semesters, z.B. in eine Orientierungswoche oder ähnliches gelegt wurde. Der BDC unterstützt die Werbung vor Ort mit Plakaten in den Kliniken und Postkarten, die ca. zwei bis drei Wochen vor der Veranstaltung in Cafés und Studentenkneipen, Fitnessstudios und anderen Plätzen der Region verteilt werden.

Tab 1: Team Junge Chirurgie im BDC

Marc Binnebösel, Aachen
Norbert Hennes, Krefeld
Carsten J. Krones, Aachen
Matthias Krüger, Magdeburg
Gunda Leschber, Berlin
Jan Nolde, Lübeck
Wolfgang Schröder, Köln
Jörg Ansorg, Berlin

Je nach Ausgestaltung durch die Kollegen der Universität dauert eine Informationsveranstaltung zwischen einer und zwei Stunden. Nach der Begrüßung durch den Ordinarius sprechen zwei Vertreter des „Teams Junge Chirurgie“ (Tab. 1) über die Faszination Chirurgie sowie die Weiterbildung (Wege in die Chirurgie). Anschließend berichten möglichst eine Chirurgin und ein Assistenzarzt über ihre Erfahrungen in der eigenen Klinik. Je nach Interesse und Engagement der Organisatoren vor Ort werden auch Alternativen zur Karriere an der Uniklinik vorgestellt.

So waren beispielsweise in Münster Assistenzärzte aus einem Haus der Grund- und Regelversorgung, der Schwerpunktversorgung und einer Klinik für Plastische Chirurgie anwesend und stellen ihren Arbeitsalltag vor. Die abschließende Diskussion zieht sich oft über eine halbe Stunde und länger hin. Die Resonanz bei vielen Studenten ist äußerst positiv und das Interesse an der Chirurgie geweckt. Wir erfahren in den Gesprächen danach immer wieder, dass Chirurgie eigentlich nicht auf der Wunschliste der Studenten stand, jetzt aber durchaus als faszinierende Option wahrgenommen wird.

Erfahrungen nach einem Jahr „Nur Mut!“

Die starke positive Resonanz auf die Kampagne hat alle Beteiligten überrascht und ermutigt, weiterzumachen. Der Zuspruch und der Erfolg der Veranstaltung hängen maßgeblich von den Organisatoren vor Ort ab. Auch wenn die Postkarten, Plakate und Sticker bei Studenten äußerst beliebt sind, ist es das Team vor Ort, was in Vorlesungen und Seminaren für die „Nur Mut!“- Veranstaltung wirbt und sie geschickt in ein „Pflichtprogramm“ verwandelt. Im Jahr 2008 nahmen mehr als 1.500 Studierende die Gelegenheit wahr, sich vor Ort über eine chirurgische Karriere zu informieren (Tab. 2).

Tab 2: Nur Mut! – Chirurgie zum Mitmachen 2009

Ort Ordinarius/Veranstaltung Termin Teilnehmer
Aachen Prof. Schumpelick 28.10.2008 60
Aachen Prof. Schumpelick 08.04.2008 50
Berlin Perspektiven und Karriere Nov 07 50
Berlin Perspektiven und Karriere Nov 08 50
Berlin DocSteps des mb 04./05.10.2008 100
Berlin Chirurgie zum Mitmachen 15.11.2008 35
Berlin Prof. Müller 19.11.2008 35
Bonn Prof. Hirner 12.11.2008 100
Dresden Prof. Saeger 08.01.2009 100
Frankfurt Prof. Bechstein 19.06.2008 40
Greifswald Prof. Heidecke 04.03.2008 40
Hamburg Prof. Izbicki 30.06.2008 50
Hannover Prof. Krettek 25.11.2008 82
Jena Landesärztekammer 20.11.2007 100
Köln Prof. Hölscher 16.10.2008 150
Köln Prof. Hölscher 10.04.2008 150
Lübeck Prof. Bruch 29.04.2008 75
Mannheim Prof. Post 28.10.2008 200
Münster Prof. Senninger 10.11.2008 90
Tübingen Prof. Königsrainer 12.06.2008 40
Würzburg Prof. Meffert 20.10.2008 100
Gesamt: 1692

An dieser Stelle möchten wir allen Ordinarien und deren Mitarbeitern sehr herzlich für ihr Engagement bei der Organisation und Ausgestaltung der „Nur Mut!“-Veranstaltungen danken und freuen uns schon heute auf ein Wiedersehen in den kommenden Jahren. In der oft lebhaften Diskussion wurden am häufigsten Fragen nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, den Arbeitszeiten und Tarifverträgen und den Möglichkeiten für Frauen in der Chirurgie gestellt. Die neue Weiterbildungsordnung mit den zwei gemeinsamen Jahren Common Trunk wurde von vielen Studenten besonders positiv wahrgenommen. Auch die Neurochirurgie, einzige chirurgische Disziplin außerhalb des „Common Trunk“ wurde oft nachgefragt. Viele Studenten wollten wissen, welche manuellen Voraussetzungen man mitbringen muss. Offenbar werden während des Studiums und den Famulaturen nicht ausreichend praktische Erfahrungen gesammelt. Diese Erkenntnis motivierte uns zur Entwicklung der praktischen Kurse „Nur Mut! Chirurgie zum Mitmachen.“ (siehe folgenden Artikel).

Perspektiven für 2009

Die hervorragende Resonanz bei Studenten und Universitätskliniken bestärkt uns in der Absicht, die Informationsveranstaltungen auch in diesem Jahr in (anderen) Universitätskliniken anzubieten. In der Anzeige zur Kampagne „Nur Mut!“ in dieser Ausgabe finden Sie die nächsten Termine und Orte. Zusätzlich werden wir praktische Kurse unter der Überschrift „Nur Mut! Chirurgie zum Mitmachen“ an ausgewählten Lehrkrankenhäusern anbieten (siehe folgender Artikel). Gern werden wir auch auf Angebote der Universitätskliniken aufmerksam machen, die verstärkt praktische Kurse entwickeln und anbieten (siehe Artikel über die Billroth-Akademie in dieser Ausgabe). Alle Termine werden über die Webseite www.chirurg-werden.de bekannt gegeben. Regional werden rechtzeitig Flyer und Postkarten ausgelegt, um interessierte Studenten auf die Angebote aufmerksam zu machen.

Danke

Der Berufsverband dankt allen Ordinarien und deren Mitarbeitern für die Organisation der Informationsveranstaltungen vor Ort. Ohne ihre tatkräftige Unterstützung wären die Veranstaltungen nicht so erfolgreich verlaufen und hätten nicht den enormen Zuspruch erfahren. Ebenso danken wir den Chirurginnen und Chirurgen, die in den Veranstaltungen ihre Erfahrungen an die Studenten weitergegeben haben. Ein besonders herzlicher Dank gilt aber den Kollegen des „Teams Junge Chirurgie“. In der Regel waren zu jeder Veranstaltung zwei Kollegen vor Ort und haben die einführenden Vorträge gehalten.

Dazu haben sie meist Urlaub oder Freizeitausgleich eingesetzt und ehrenamtlich gearbeitet. Vielen Dank für ihren enormen und nicht üblichen Einsatz für unseren Berufsstand. Die Organisation der Informationsveranstaltungen und Workshops wäre ohne die tatkräftige Unterstützung der BDCGeschäftsstelle nicht möglich. Die Hauptlast der Organisation ruht dabei auf den Schultern von Frau Carola Paech, die als Assistentin der Geschäftsleitung den Kontakt zu den Kollegen vor Ort hält, Referenten und Material für die Workshops koordiniert und die Internetseite www.chirurg-werden.de pflegt. Frau Paech möchten wir deshalb an dieser Stelle für ihre hervorragende Einsatzbereitschaft und Übersicht danken, die wesentliche Grundlage für den Erfolg der Nachwuchskampagne “Nur Mut!“ ist. Herzlichen Dank für das Engagement aller. Gemeinsam können wir viel bewegen.

Literatur

Ansorg, C. Krones, W. Schröder, G. Leschber, U.-A. Ochel: Nur Mut! Kein Durchschnittsjob – ChirurgIn. Auftakt der Kampagne. Der Chirurg BDC (2008), Heft 2, 52-53

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Autoren des Artikels

Dr. med. Jörg Ulrich Ansorg

GeschäftsführerBerufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) e. V.ehem. BDC-GeschäftsführerStraße des 17. Juni 106–10810623Berlin kontaktieren

Prof. Dr. med. Wolfgang Schröder

Erweiterter Vorstand des BDC/Leiter der BDC|AkademieLeitender OberarztKlinik für Allgemein-, Viszeral- und Tumorchirurgie Universitätsklinik KölnKerpener Str. 6250937Köln kontaktieren

Prof. Dr. med. Carsten Johannes Krones

Erweiterter Vorstand des BDC/ Referat Leitende KrankenhauschirurgenMarienhospital AachenAllgemein- u. ViszeralchirurgieZeise 452066Aachen kontaktieren

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