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Man mag beim Thema „chirurgischer Nachwuchs“ schnell versucht sein mit den Augen zu rollen, „viel gehört und wenig Lösungen gesehen“ ist mittlerweile oft der erste Eindruck. Aber das Thema ist in der klinischen Versorgung präsenter denn je, und es gibt die ominösen Lösungen eben doch. Eine aktuelle Erhebung des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgie e. V. (BDC) zeigt, wie sehr dieser Mangel in der Breite schon wahrgenommen wird, nicht nur in der reinen Zahl, sondern auch in der Qualität [1]. Wo verlieren wir also die ganzen Interessenten an unserem schönen Fach, obwohl doch die Motivation zur Chirurgie, gerade zu Beginn des Studiums, sehr hoch ist [2]?

Die Online-Vorstellung zum aktuellen Berufsmonitoring der Universität Trier und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung aus dem Oktober 2022 führt es noch einmal eindrücklich vor Augen [3]: Die Studierenden verlieren ihr Interesse an der Chirurgie im Verlauf des Studiums, und das Praktische Jahr (PJ) ist dabei nicht besonders hilfreich. Der negative Einfluss des PJ ist seit Längerem bekannt, und der Verlust der an der Chirurgie interessierten Studierenden während des PJ über die letzten Jahre weitgehend konstant [4]. Das PJ in der Chirurgie schreckt einfach ab, was die Notwendigkeit zu konkreten Verbesserungen in diesem Punkt deutlich unterstreicht. Um diesem Missstand endlich zu begegnen, hat der BDC bereits vor vier Jahren gemeinsam mit der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e. V. (bvmd) eine Projektgruppe ins Leben gerufen, die mit den Studierenden einen Leitfaden für ein „gutes chirurgisches Tertial“ ausgearbeitet hat [5]. In diesem jetzt vorliegenden Ratgeber sind vielfältige Maßnahmen aufgeführt, welche die Lehre im praktischen Jahr maßgeblich vertiefen und die Ausbildungsqualität und Zufriedenheit strukturiert steigern. Begleitet wird der Leitfaden von einem zusammenfassenden Flyer, Mustermaterial zur Evaluation, beispielhaften Ablaufplänen und einem PJ-Plakat [6]. Die Zusammensetzung der Arbeitsgruppe sowie Inhalt und Umfang des Projekts sind in der Deutschen Medizin bisher einzigartig.

Der BDC-/bvmd-PJ-Leitfaden

Der ausführliche Leitfaden gliedert die wesentlichen Informationen zu einem guten PJ-Ablauf in drei Phasen. Der Vorbereitungsteil umfasst dabei Maßnahmen wie die Rotationsorganisation, Informationen zum Ablauf von Einführungstagen oder die Zuordnung von Mentoren. In der Durchführungsphase liegt der Fokus vor allem auf den Kernaufgaben und Lernzielen, den „Anvertraubaren Professionellen Tätigkeiten“ (APTs), aber auch in der strukturellen Gestaltung des PJ-Unterrichts. Eine sehr konkrete Hilfestellung bietet hier das „Stationsplakat“, das idealerweise gut sichtbar z. B. in den Stationszimmern platziert wird. Es fasst die wesentlichen Lernziele, Aufgaben und auch Pflichten für Lernende und Lehrende grafisch einfach zusammen. Durch die ständige Sichtbarkeit im direkten Stationsalltag werden die Beteiligten kontinuierlich an ihre Aufgaben, Verpflichtungen und Chancen erinnert, was die Compliance im täglichen Miteinander unterstützt. Das Plakat ist entweder über den BDC direkt als Print zu beziehen, lässt ich aber auch über die Website herunterladen.

Abb. 1: Beispiel zu den Informationen im PJ-Flyer des BDC. Gezeigt ist eine kurze Rationale sowie ein Musterablauf/Inhalt für einen PJ-Einführungstag (rechte Seite).

In der dritten Phase (PJ-Nachbereitung) liegen die Schwerpunkte in der Evaluation und kontinuierlichen Verbesserung. Nobody is perfect – und ein Eingehen auf konstruktive und berechtigte Kritik kann wahre Wunder bewirken. Die Auswertung unterstützen BDC und bvmd mit Musterevaluationen, die neben bereits bestehenden und in Lehrkliniken oft verpflichtenden, aber vielfach abteilungsübergreifend vorgenommenen Evaluationen einen klaren Mehrwert bieten. Begleitet werden die einzelnen Maßnahmen von Praxis- und Literaturbeispielen wie auch Informationsgrafiken, welche die Umsetzung unterstützen. In dem separat erstellten Flyer werden die wesentlichen Kernpunkte des ausführlichen Leitfadens für das Praktische Jahr dann noch mal zusammengefasst (Abb. 1). Der Flyer listet stichpunktartig und übersichtlich die leicht umsetzbaren, sehr praktischen Vorschläge zur nachhaltigen Optimierung der Lehr- und Arbeitsbedingungen der uns anvertrauten PJ-Studierenden nochmals auf.

Nutzen Sie die Chance – it’s up to you.

Weitere Informationen zur gemeinsamen Initiative der bvmd und des BDC „Chirurgischen Nachwuchs gewinnen und halten“ inkl. den Leitfaden für das Praktische Jahr, das daran angelehnte Stationsplakat und einige Musterdokumente („Ablaufplan im PJ“ und „PJ Evaluation“) zum Downloaden finden Sie unter: https://www.bdc.de/pj-leitfaden

Nachwuchsgewinnung ist in der Chirurgie heute wichtiger denn je. Kein Weg der Nachwuchsgewinnung ist so direkt, unmittelbar und effizient wie die Begeisterung von PJ-Studierenden im eigenen Fach und Haus – für das eigene Fach und Haus!

 

Literatur

[1]   Vallböhmer D, Fuchs H, Dittmar R, Krones CJ: „Nehmen wir jetzt jeden?“ – Eine Umfrage in deutschen chirurgischen Kliniken. Passion Chirurgie. 2018 Mai, 8(05): Artikel 04_02.
[2]   Schneider KN, Masthoff M, Gosheger G, Schopow N, Theil JC, Marschall B, Zehrfeld J. Generation Y in der Chirurgie–der Konkurrenzkampf um Talente in Zeiten des Nachwuchsmangels. Der Chirurg. 2020 Nov;91(11):955-61.
[3]   Website der Präsentation vom 11.10.2022: https://www.kbv.de/media/sp/ergebnisse_medizinstudentenbefragung_kbv_2022.pdf
[4]   Berurfsmonitoring Medizinstudierende 2018; online verfügbar unter: https://www.kbv.de/media/sp/Berufsmonitoring_Medizinstudierende_2018.pdf
[5]   Braun BJ, Schmidt J, Chabiera PJ, Fritz T, Lutz B, Drossard S, Mees ST, Brunner SN, Luketina R, Blank B, Kokemohr P, Röth A, Rüggeberg JA, Meyer HJ: Strukturierte Grundvoraussetzungen für das Praktische Jahr. Passion Chirurgie. 2019 Oktober, 9(10): Artikel 03_03.

Braun BJ, Krones CJ, Kirschniak A: „PJ-Initiative BDC und bvmd“ – Nachwuchsgewinnung im PJ. Passion Chirurgie. 2022 Dezember; 12(12): Artikel 04_03.

Autoren des Artikels

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PD Dr. med. Benedikt Braun

Stellv. Leiter Themen-Referat Nachwuchsförderung im BDCSprecher Perspektivforum Junge Chirurgie (DGCH)BG Unfallklinik Tübingen; Unfall- u. WiederherstellungschirurgieSchnarrenbergstr. 9572076Tübingen kontaktieren
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Prof. Dr. med. Carsten Johannes Krones

Leiter Themen-Referat „Leitende Krankenhauschirurg:innen“ im BDCMarienhospital AachenAllgemein- u. ViszeralchirurgieZeise 452066Aachen kontaktieren
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Prof. Dr. med. Andreas Kirschniak

Leiter Themen-Referat Nachwuchsförderung im BDCKlinik für Allgemein- und ViszeralchirurgieKliniken Maria HilfViersener Str. 45041063Mönchengladbach kontaktieren

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