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Dr. Friederike Burgdorf ist seit 2019 die erste Frau in der BDC-Geschäftsführung. Im Interview erzählt sie über die Motivation des Verbandes sich umzubenennen und zu seiner aktuellen berufspolitischen Arbeit.

REDAKTION: Der Berufsverband der Deutschen Chirurgen wird sich künftig Berufsverband der Deutschen Chirurgie nennen. Warum?
Dr. F. Burgdorf:  Wir wollen ein Zeichen setzen und das Signal geben, dass der Verband für Chirurginnen und Chirurgen gleichermaßen attraktiv ist. Übrigens steigt die Anzahl unserer weiblichen Verbandsmitglieder: Während es vor etwa zehn Jahren noch 3.000 waren, sind es nun schon über 4.000. Der BDC hat nun knapp ein Viertel weibliche Mitglieder. Dies entspricht exakt dem Anteil berufstätiger Chirurginnen in Deutschland gemäß Bundesarztregister. Im Vergleich zu anderen Fachgruppen ist der Anteil an Ärztinnen in der Chirurgie noch relativ überschaubar – wir hoffen, nicht mehr lange!

RE  Wie lief der Entscheidungsprozess ab, also: Wer hat die Umbenennung initiiert, was waren die einzelnen Schritte und wer hat es letzten Endes entschieden?
FB  Im vergangenen Jahr hat das BDC-Präsidium fast einstimmig beschlossen, den Mitgliedern die Umbenennung zu empfehlen. Bei der Mitgliederversammlung in diesem Jahr haben die Mitglieder eine eindeutige Entscheidung getroffen und mit über 90 Prozent dem neuen Verbandsnamen zugestimmt. Das zeigt, dass die Umbenennung von einer breiten Basis im Verband getragen wird.

Neues Logo 2022RE  Welche Rolle haben die weiblichen, welche die männlichen Mitglieder dabei gespielt?
FB  Die Zustimmung war sowohl bei den weiblichen als auch männlichen BDC-Mitgliedern hoch. Schon bei der Meinungsbildung vorab sind wir auf große Einigkeit bei fast allen Beteiligten gestoßen.

RE  In einigen ärztlichen Fachbereichen gibt es schon deutlich mehr Frauen als Männer. Warum ist gerade die Chirurgie ein offensichtlich eher schwieriges Pflaster für Frauen?
FB  Die Chirurgie ist keine Tätigkeit, die man „9-to-5“ verrichten kann. Längere Dienstzeiten, Arbeit am Wochenende, so lassen sich Beruf und Privatleben oft nur schwer miteinander vereinbaren. Das erfordert viel Flexibilität, die man mit einer Elternrolle eben nicht oder nur bedingt hat.

RE  Warum sollte sich eine Medizinstudentin dennoch für eine chirurgische fachärztliche Weiterbildung entscheiden?
FB  Weil die Chirurgie ein vielfältiges und faszinierendes Fach ist. Der Wirkungsgrad ist hoch und auch der chirurgische Arbeitsalltag bietet Gestaltungsmöglichkeiten – von der Auswahl des chirurgischen Fachgebiets über die Spezialisierung bis hin zum Ort der Tätigkeit. Mit den neuen Möglichkeiten, Operationen zunehmend auch ambulant vorzunehmen, ergeben sich neue Chancen auf herausfordernde Tätigkeiten auch in der Niederlassung, wo die Zeitplanung eher einem Gestaltungsspielraum unterliegt. Aber auch viele Kliniken bieten heutzutage mehr Flexibilität für die Karriereplanung und deren Vereinbarkeit mit familiären und gesellschaftlichen Belangen.

RE  Was tut der BDC – abgesehen von der Namensänderung – gerade für seine weiblichen Mitglieder?
FB  Die letzte Mitgliederversammlung hat neben der Umbenennung des Verbandes zum Beispiel beschlossen, dass Frauen im erweiterten Vorstand künftig mit mindestens drei Vertreterinnen repräsentiert sein werden. Damit wollen wir Chirurginnen verstärkt in die Verbandsarbeit integrieren und Ihnen die Möglichkeit einräumen, den Kurs des Verbandes aktiv mitzubestimmen. Um die Kolleginnen auf ihrem Weg auf der Karriereleiter zu fördern, bietet der BDC zum Beispiel seit Jahren die Führungsseminarreihe „Chirurginnen auf dem Weg nach oben“ an. Auch dieses Angebot ist dem Engagement und dem Gestaltungswillen weiblicher Mitglieder im BDC zu verdanken.

RE  Was empfehlen Sie Ärztinnen, die gerade die Rahmenbedingungen für Frauen in diesem Fachbereich verbessern wollen?
FB  Auf jeden Fall sollten sie sich verbands- oder berufspolitisch engagieren und zum Beispiel versuchen, Mitglied der Gremien der lokalen Ärztekammer oder der Vertreterversammlung ihrer zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung zu werden. Wer dort mitmacht, kann mitgestalten und auf die Bedingungen in der Chirurgie Einfluss nehmen.

RE  Neben den organisatorischen Weichenstellungen: Welche fachlichen Themen stehen für den BDC in den nächsten Monaten im Vordergrund, worauf können sich alle Mitglieder – also auch Männer – freuen?
FB  Politisch gesehen steht für uns das Thema „Sektorübergreifende Versorgung“ weit vorne auf der Agenda. Das IGES-Institut hat sein Gutachten zum AOP-Katalog vorgelegt, wir haben Verbesserungsvorschläge unterbreitet. Nun müssen wir sehen, was die Selbstverwaltung daraus macht. Damit in Zusammenhang steht aktuell auch die Krankenhausfinanzierung, Stichwort Reform des DRG-Systems. Genau wie bei der längst fälligen Reform der GOÄ bleiben wir natürlich auch hier am Ball.

Ein permanentes Thema im BDC ist insbesondere die Fort- und Weiterbildung einschließlich der Nachwuchsförderung. Die BDC|Akademie aktualisiert hier stetig das Angebot, um allen Karrierestufen und auch aktuellen Trends, wie zum Beispiel der Digitalisierung, und veränderten Lerngewohnheiten gerecht zu werden. Ein aktuelles Projekt der BDC|Akademie ist die Neuauflage einer Podcastreihe unter dem Titel „Surgeon Talk“. Ab dem 1. Juni startet diese mit zweiwöchentlichen Podcasts rund um alles, was die Chirurgie spannend macht.

Bei all diesen Themen freuen wir uns natürlich über das Engagement unserer Mitglieder und wünschen uns insbesondere auch die Beteiligung von Chirurginnen.

Interview wurde im Mai geführt.

Autor des Artikels

Dr. med. Friederike Burgdorf

GeschäftsführerinBerufsverband der Deutschen Chirurgen e.V. (BDC)Luisenstraße 58/5910117Berlin kontaktieren

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