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Im anglo-amerikanischen Raum wurden in den letzten Jahren viele Berichte über den Erfolg einer Wasserstoffperoxid-Verneblung zur Desinfektion publiziert.

Inzwischen in Deutschland vorliegende Erfahrungen weisen auf diverse Probleme hin, die vor Einsatz dieser Systeme bedacht werden sollten:

  • Der in Deutschland geltende MAK-Wert, auch für kurze Expositionszeiten, beträgt 0,5 ppm. Dieser Wert ist unter Umständen erst nach einer längeren Lüftungsphase zu erreichen.
  • Dementsprechend ist eine Lüftungsplanung für die behandelten Räume notwendig.
  • Vor Beginn der Verneblung müssen überschüssige Materialien, z. B. offen gelagerte Einmalartikel, entfernt werden.
  • Vorhänge und andere Textilien müssen ebenfalls entfernt werden, da sie das Wasserstoffperoxid aufnehmen und damit die Luftkonzentration senken würden.
  • Eine RLT-Anlage muss ausgeschaltet oder Luftauslässe müssen abgeklebt werden.
  • Ebenso müssen Türschlitze von außen abgeklebt und nach Beginn der Vernebelung die Tür mit einem Hinweisschild versehen werden.
  • Da die Gefahr einer Fehlauslösung der Brandmelder besteht, ist gegebenenfalls deren Abschaltung während des Sprühvorganges, eventuell auch in einer nachfolgenden Zeit, erforderlich. Gegebenenfalls muss mit der Feuerwehr die Notwendigkeit von Brandwachen geklärt werden.
  • Eine Korrosion der Brandmelder durch das Wasserstoffperoxid scheint derzeit eher unwahrscheinlich, bedarf aber noch einer endgültigen Klärung.

Grundsätzlich vorteilhaft ist, dass das Personal keinen Befähigungsschein braucht wie z. B. bei der Formaldehyd-Vernebelung.

Auch kann ein Einsatz der Verneblung, in Ergänzung zur desinfizierenden Reinigung, bei bestimmten Situationen sinnvoll sein, z. B. nach wiederholten Ausbrüchen mit multiresistenten Erregern oder nach offener Lungentuberkulose.

Ein routinemässiger Einsatz in Rettungswagen macht keinen Sinn, da grundsätzlich auf eine desinfizierende Scheuer-Wisch-Reinigung nicht verzichtet werden kann und ebenfalls z. B. offen gelagertes Sterilgut entfernt werden müsste. Eine Desinfektion der Luft in Rettungswagen ist nicht erforderlich, da ein vollständiger Luftaustausch bei geöffneten Türen sofort erfolgt.

Popp W. / Parohl N. / Ross B. / Spors J. / Zastrow K.D. Hygiene-Tipp: Wasserstoffperoxid-Verneblung. Passion Chirurgie. 2013 August; 3(08): Artikel 03_02.

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Autoren des Artikels

Prof. Dr. med. Walter Popp

Ärztlicher LeiterHyKoMed GmbHVizepräsident der Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene e.V. (DGKH) kontaktieren

Dr. med. vet. Nina Parohl

Ärztl. MitarbeiterinHyKoMed GmbH

Dr. med. Birgit Ross

Ärztl. MitarbeiterinDeutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene EssenHygienebeauftragte Ärztin, Universitätsklinikum EssenHufelandstr. 5545122Essen

Jörg Spors

Berufsfeuerwehr EssenEiserne Hand 4545139Essen

Prof. Dr. med. Klaus-Dieter Zastrow

Chefarzt des Hygiene-Instituts der REGIOMED-Kliniken Bayern/ Thüringen kontaktieren

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