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Deutsche Kliniken suchen Chirurginnen und Chirurgen. Aus dem Ausland kommende Ärzte finden es sehr attraktiv, in Deutschland in der Chirurgie zu arbeiten. Sehr begehrt ist auch die Möglichkeit, sich in Deutschland zum Facharzt für Chirurgie ausbilden zu lassen. Die gesundheitliche Versorgung ist auf höchstem Niveau, die Kompetenz von leitenden Chirurg/innen in der Ausbildung unbestritten. Ist es also einfach, sich aus dem Ausland kommend in einer deutschen Klinik zu bewerben und in der Chirurgie zu starten?

Immer wieder ist zu hören, dass Chirurgen aus dem Ausland einen langen und komplizierten Weg gehen müssen, um eine Aufenthaltsgenehmigung, eine Arbeitserlaubnis oder eine Weiterbildungsstelle zu finden. Doch zeigt der genaue Blick auf diese Einzelfälle, dass die schnell aufzufindenden Hilfen nicht in Anspruch genommen wurden, die mit wenigen Google-Klicks unter den Suchbegriffen „Anerkennung in Deutschland“, „Vorbereitung auf die Fachsprachprüfung“, „Vorbereitung auf die Kenntnisprüfung“ oder „Der Weg zur Approbation“ zu finden sind.

In der Tat versteht sich Deutschland immer noch nicht als Einwanderungsland, das den begehrten Spezialist:innen einfache und klare Wege zur beruflichen Anerkennung und Integration aufzeigt. Dabei ist durch die Anerkennungsgesetze des Bundes und der Länder längst eine gute Grundlage zur Fachkräftegewinnung geschaffen worden.

Wie kann ich meinen Arztberuf anerkennen lassen?

Aus dem Ausland kommende Ärzte können bereits im Herkunftsland den Antrag auf Anerkennung ihres Medizinstudiums stellen. Sind die Unterlagen vollständig, besteht der Anspruch, dass ein Bescheid innerhalb von drei Monaten ergeht. Voraussetzung zur Anerkennung ist immer die Befähigung zur Berufsausübung im Herkunftsland. In jedem Fall muss in Deutschland eine Fachsprachprüfung vor einer Landesärztekammer erfolgen.

Es empfiehlt sich, bereits im Ausland intensiv die deutsche Sprache zu erlernen und sich dafür an die Goethe-Institute zu wenden.

Auf Basis dieser Sprachkenntnisse und des Anerkennungsbescheides kann dann der Kontakt zu einer deutschen Klinik gesucht werden. Es ist auch möglich, nach Deutschland zu kommen, um hier eine Anerkennungsqualifizierung zu absolvieren.

Gute sprachliche und fachsprachliche Vorbereitung

Zum Start in Deutschland sollte ein Intensiv-Deutschkurs besucht werden, um auf das Niveau C1 zu gelangen. Wichtig ist dabei, dass es sich um eine anerkannte Sprachschule handelt, die kompetent Deutsch lehrt. Erst dann sollte ein Fachsprachkurs Medizin folgen, in dem nun nicht Deutschlehrende, sondern ärztliche Fachkolleg/innen unterrichten und gezielt auf die Fachsprachprüfung vorbereiten.

Bei der Vorbereitung auf die Fachsprachprüfung ist Vorsicht bei einer Reihe von Webforen geboten, die zum Training Hunderte von Prüfungsfragen offerieren und dazu verleiten, Antworten auswendig zu lernen.

Was ist zu tun, wenn eine volle Gleichwertigkeit des Berufs nicht konstatiert wird?

Wenn ich einen Bescheid bekomme, in dem mir bestätigt wird, dass im Vergleich meines Medizinstudiums mit dem hiesigen Studium auch unter Berücksichtigung meiner bisherigen Berufserfahrungen nicht die volle Gleichwertigkeit ausgesprochen werden kann, besteht die Möglichkeit einer Kenntnisprüfung oder eines Gutachtens. Aus der Erfahrung unseres Instituts, das mehrere Tausend Ärztinnen und Ärzten auf die Approbation in Deutschland vorbereitet hat, empfehlen wir den Weg über die Kenntnisprüfung.

Die notwendige Vorbereitung ermöglicht der Intensivkurs Humanmedizin, in dem Chef- und Oberärzte gezielt die aus dem Ausland kommenden Fachkolleg/innen trainieren und praxisnah auf die Berufsausübung in Deutschland vorbereiten. Die wichtigsten chirurgischen und internistischen Krankheitsbilder, die ein junger Assistenzarzt kennen sollte, Kenntnisse im Bereich der notfallmedizinischen Basisversorgung, der Grundlagen der Radiologie und des Strahlenschutzes, dem klinischen Alltag entsprechende Kenntnisse der Klinischen Pharmakologie sowie der rechtlichen Grundlagen des Arztberufs, etwa für Aufklärungsgespräche und bei Dokumentationspflichten, gehören dazu, wenn ich die Approbation erlangen und in einem chirurgischen Team in Deutschland arbeiten will. All dies vermittelt der Intensivkurs Humanmedizin, und genau diese Themen werden in einer Kenntnisprüfung abgefragt.

Eine Dokumentenüberprüfung zur Gleichwertigkeitsfeststellung – etwa über ein Gutachten – ist dagegen ein viel schwierigerer Weg für einen Bewerber und gibt ihm keine Hilfestellung zur erfolgreichen Berufseinmündung. Zudem konstatieren Gutachten häufig das Ergebnis, dass eine Gleichwertigkeit nicht festgestellt werden kann und eine Kenntnisprüfung erfolgen muss.

Wie viel Zeit benötigt ein solcher Anerkennungsprozess?

Wenn ich aus dem Ausland heraus meinen Anerkennungsbescheid beantrage und mich zuvor in der deutschen Sprache übe, ist ein solcher Anerkennungsprozess mit Sprachkurs, Fachsprachkurs und Training zur Vorbereitung auf die Kenntnisprüfung einschließlich der Zeiten, die durch die Anmeldung bei der Bezirksregierung und die Terminierung der Prüfung bei der Ärztekammer entstehen, deutlich unter einem Jahr möglich. Zahlreiche Karrierewege unserer Absolvent:innen zeigen dies auf.

Abb. 1: Der Weg zur Approbation vereinfacht dargestellt: Das mibeg-Institut Medizin hat ein Poster entwickelt, das über das Institut abgerufen werden kann. © mibeg-Institut Medizin

Wenn Bewerber noch wenig Berufserfahrung haben und nicht genügend sattelfest in der deutschen Sprache sind, empfehlen wir folgenden Weg:

  • Anerkennung im Ausland beantragen
  • Anerkannte Deutschkurse (Goethe-Institut) bereits im Ausland absolvieren
  • Nach Einreise in Deutschland einen Intensiv-Deutschkurs besuchen (B2/C1)
  • Einen vierwöchigen Intensivkurs Fachsprache Medizin absolvieren
  • Fachsprachprüfung vor einer Landesärztekammer ablegen
  • Berufserlaubnis nach § 10 BÄO beantragen
  • Einjährige Mitarbeit als Arzt mit Berufserlaubnis in einer deutschen Klinik
  • Gezielte Vorbereitung auf die Kenntnisprüfung durch einen Intensivkurs Humanmedizin
  • Kenntnisprüfung ablegen und Approbation erlangen
  • Weiterbildung zum Facharzt / zur Fachärztin Chirurgie

Kursteilnehmer des mibeg-Instituts im St. Anna Hospital Herne, Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie. © mibeg-Institut Medizin

Die vorgestellten Kursprogramme können in Deutschland durch die Übernahme der Seminargebühren zu 100 Prozent öffentlich gefördert werden. Sollte man bereits ein Anstellungsverhältnis bei einem Klinikarbeitgeber gewählt haben, so kann für die Zeit einer Kursteilnahme auch der Arbeitgeber durch das Qualifizierungschancengesetz unterstützt werden, indem Lohnersatzkosten gewährt werden.

Bei Fragen ist es sinnvoll, eine Anerkennungsberatung in Anspruch zu nehmen oder das ebenfalls kostenfreie Seminar „Wege zur Anerkennung“ des mibeg-Instituts zu besuchen.

Für eine dauerhafte Fachkräftesicherung in Deutschland wäre es wünschenswert, wenn im Zuge der Anerkennungsgesetze dieser Weg regelhaft und in allen Bundesländern vergleichbar durchlaufen werden könnte. Dass immer noch in ein, zwei Bundesländern von den gut etablierten Fachsprachprüfungen der Landesärztekammern abgewichen wird, weil Deutschlehrende, teils durch Steuermittel gefördert, wieder eigene Prüfungen etablieren möchten, trägt nicht zu einer effektiven und effizienten Gewinnung von Fachkräften bei, zumal derartige Prüfungen bereits im nächsten Bundesland zu Recht nicht anerkannt sind.

Literaturhinweise

[1]   Stellungnahme Barbara Rosenthal, Sachverständige, Öffentliche Anhörung Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages, Prüfverfahren ausländischer Ärzte, Februar 2020
[2]   „Integration durch Qualifizierung und Anerkennung im Gesundheitswesen“, Barbara Rosenthal, in: „Interkulturelle Kommunikation in der Medizin“, Springer Berlin Heidelberg, 2020
[3]   „Beste Chirurgie ist mein Ziel: Gelungene Integration als Arzt“, Interview mit Malek Ernez, Oktober 2020
[4]   „Ausländische Ärzte: Wege in den Arbeitsmarkt“, Barbara Rosenthal, in: Klinik Management Aktuell KMA 9 / 2018, Thieme Verlag
[5]   „Ausländische Gesundheitsfachkräfte willkommen: Berufliche Anerkennungswege in Deutschland für ausländische Gesundheitsfachkräfte“, Barbara Rosenthal, ASU Zeitschrift für medizinische Prävention 9 / 2018

Rosenthal B: Fachkräftegewinnung in der Chirurgie. Passion Chirurgie. 2021 Dezember; 11(12): Artikel 09_01.

Autor des Artikels

Dipl. Päd. Barbara Rosenthal

Institutsleiterinmibeg-Institut MedizinSachsenring 37–3950677Köln kontaktieren

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