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Vom 09. bis 10. Februar 2012 fand im Vivantes Klinikum in Berlin Spandau der erste CAMIC-Kurs in Zusammenarbeit des BDC und der DGAV (Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie) statt. Dieser Kurs richtet sich an Assistensärztinnen und -ärzte, die sich im ersten oder zweiten Weiterbildungsjahr für den Facharzt zum Allgemein- bzw. Viszeralchirurgen befinden. Die CAMIC (Chirurgische Arbeitsgemeinschaft für minimalinvasive Chirurgie) hat einen praktischen Weiterbildungsplan entwickelt, der aus vier, jeweils zweitägigen, Seminaren besteht. Die einzelnen Kurse finden zweimal jährlich statt.

Im Vivantes Klinikum in Berlin Spandau wird dieser Kurs in einem Trainingszentrum für je 20 Teilnehmer realisiert. Das Trainingszentrum gibt es seit Mai 2010. Es steht sowohl für interne, als auch externe Fortbildungen zur Verfügung. Neben viszeralchirurgischen Kursen der CAMIC finden dort auch gynäkologische und orthopädische Übungskurse statt. Desweiteren bietet der BDC hier chirurgische Nahtkurse an.

An dem ersten CAMIC-Kurs nahmen rund 20 Kolleginnen und Kollegen teil, die seit ein bis drei Jahren im Berufsleben stehen. Der erste Kurs konzentriert sich vor allem auf die laparoskopische Cholezystektomie. Alle Teilnehmer hatten bereits Erfahrungen in der Laparoskopie gesammelt und mindestens eine Gallenblase als Operateur cholezystektomiert. Dies ist jedoch keine Voraussetzung für die Teilnahme am Kurs, denn Ziel ist es, Chirurgen in der Weiterbildung an die minimalinvasive Chirurgie heranzuführen.

Zu Beginn des Kurses erhielten wir eine Einführung in den Gebrauch der laparoskopischen Instrumente. Dass es wichtig ist, sorgsam mit den Instrumenten umzugehen, insbesondere mit der Optik, ist bei aller Stahlummantleung, jedoch zum Teil sehr feinem Innenleben, nicht jedem geläufig.

Technische Tipps und Trick im Umgang mit dem Instrumentarium wurden in einer von insgesamt drei Live-Operationen im Anschluss an den Vortrag vermittelt. Jeder Teilnehmer hatte die Möglichkeit, dem Operateur über die Live-Schaltung ungezwungen Fragen zu stellen. Der rege Austausch mit Kollegen über verschiedene Zugangswege, verwendete Instrumente oder „Taktiken“ und Techniken zur laparoskopischen Cholezystektomie lockerte den Vormittag auf.

Am Nachmittag wurden in Dreier-Gruppen an den Pelvitrainern des Trainingszentrums zunächst verschiedene laparoskopische „Trockenübungen“ zur Auge-Hand-Koordination vorgenommen. Laparoskopische Knoten- und Nahttechniken wurden geübt. Dass ein normalerweise einfacher Knoten oder eine Naht unter zweidimensionalen Bedingungen wesentlich anspruchsvoller ist, stellten wir sehr schnell fest. Trotz zum Teil entmutigender Anfänge, konnte im Verlauf eine Steigerung der eigenen Geschicklichkeit erzielt werden.

Im Anschluss an diese Übungen erhielt jeder Kursteilnehmer die Möglichkeit, mindestens eine Schweinegallenblase aus dem Leberbett zu cholezystektomieren. Ohne Zeitdruck von Seiten des Oberarztes oder der Anästhesisten arbeiteten wir uns hoch konzentriert vom Infundibulum der Gallenblase vor. Natürlich blieb es nicht aus, dass bei einigen Teilnehmern die Gallensäure durch das Arbeitsfeld floss und die imaginäre Saug-Spülung ausgepackt werden musste. Dessen ungeachtet kämpfte fast jeder Teilnehmer bis zum „bitteren Ende“ und schloss seine Operation ab. Dann wurde auch schon einmal applaudiert und sich gemeinsam über den Erfolg gefreut.

Die Betreuung des gesamten Kurses war ausgezeichnet. Es konnten jederzeit Fragen gestellt werden. Ein gemeinsamer Abend rundete den ersten Tag ab.

Der zweite Tag stand ganz im Zeichen der Praxis. Mit einer weiteren etwas komplizierteren Live-Operation wurde der Tag gestartet, bevor wir erneut an den Pelvitrainern üben konnten.

Abschließend lässt sich sagen, dass dieser Kurs eine hervorragende Möglichkeit für angehende Chirurgen bietet, praktische Fertigkeiten ohne Druck zu verbessern bzw. zu vertiefen. Meiner Meinung nach hätte der Kurs durch einen etwas größeren Theorieteil, z. B. zu allgemeinen Voraussetzungen der laparoskopischen Operationen oder dem Umgang mit Komplikationen, noch ergänzt werden können. Von einigen Teilnehmern habe ich erfahren, dass sie sich bereits für den Folgekurs angemeldet habe. Bleibt zuletzt zu hoffen, dass das Erlernte in der eigenen Klinik bzw. im OP angewendet werden kann, denn Übung macht den Meister.

Höing (Dittmer), W. Erfahrungsbericht: Seminar CAMIC I. Passion Chirurgie. 2012 Juli/August; 2(07/08): Artikel 02_06_01.

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Autor des Artikels

Dr. med. Wiebke Höing

Fachärztin für ChirurgieKlinik für Allgemein-, Viszeral- und ThoraxchirurgieKlinikum LüneburgBögelstr. 121339Lüneburg kontaktieren

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