01.06.2026 BDC|News
Einblick in das Leben und Wirken von Verbandspräsident Professor Dr. med. Dr. h.c. Hans-Joachim Meyer

Der BDC hat in der Mitgliederversammlung am 24. April sein neues Präsidium gewählt. Die teilnehmenden Mitglieder verabschiedeten sich mit anhaltendem Applaus von ihrem bisherigen Präsidenten, Professor Dr. med. Dr. h.c. Hans-Joachim Meyer, sowie vom langjährigen Vizepräsidenten, Dr. med. Jörg-A. Rüggeberg. Unser langjähriger Präsident beantwortet uns heute eher persönliche Fragen.
Wo ist chirurgisch Ihre Heimat?
Hans-Joachim Meyer (HJM): Mein Medizinstudium habe ich in München an der Ludwig-Maximilians-Universität von 1967 bis 1972 absolviert und direkt danach im Dezember 1972 an der Georg-August-Universität Göttingen meine Promotionsurkunde erhalten. Nach der Medizinalassistentenzeit an der Medizinischen Hochschule Hannover habe ich dort in der Klinik für Abdominal- und Transplantationschirurgie unter der Leitung von Herrn Professor Rudolf Pichlmayr die Weiterbildung im Gebiet Chirurgie bis zur Facharztreife 1981 durchlaufen. Frühzeitig konnte ich ein Forschungsprojekt zur Laseranwendung in der operativen Medizin übernehmen, das 1981 zur Abgabe der Habilitationsschrift führte. Auch bei ursprünglich angestrebter Weiterbildung in der Unfallchirurgie blieb ich dann als Oberarzt der heutigen Viszeral- und Transplantationschirurgie treu und wechselte 1996 schließlich als Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie an das Städtische Klinikum Solingen.
Wie empfanden Sie Ihre Weiterbildungszeit? Was hat Sie am meisten gefordert und fasziniert?
HJM: Damals war der Begriff eines „Wellbeings“ in der Chirurgie noch nicht bekannt. Am meisten fasziniert hat mich die herausfordernde Kombination von Viszeral- und Transplantationschirurgie im universitären Umfeld. Dabei konnte ich mich auch im Organentnahmeteam einbringen, was zudem ein ausgezeichnetes „chirurgisches Training“ darstellte; zudem lernte ich nach zahlreichen Einsätzen in ausländischen Kliniken auch die gute Organisation in deutschen Operationssälen zu schätzen. Die Chirurgie am oberen Verdauungstrakt, also Magen und Ösophagus, hat mich immer mehr begeistert und ich habe mich mit diesen Organsystemen auch wissenschaftlich intensiv beschäftigt, so dass ich sogar zeitweise mit dem Spitznamen „Magen-Meyer“ versehen wurde.
Was war/ist Ihre Lieblings-OP? Welcher chirurgischen Herausforderung haben Sie sich gerne angenommen?
HJM: Logischerweise habe ich mich dann weiterhin schwerpunktmäßig mit Eingriffen bei Tumoren des Magens und Ösophagus beschäftigt, wobei auch sehr frühzeitig multimodale Behandlungsansätze mit präoperativer Chemo- und/oder Strahlentherapie bei lokal fortgeschrittenen Tumorstadien zum Einsatz kamen, die heute als Standardverfahren anzusehen sind. Unabhängig vom neutraleren Geruch bei Operationen am oberen Verdauungstrakt habe ich die Gastrektomie und den Magenhochzug bevorzugt durchgeführt, wobei ich meine Kenntnisse und das technische Vorgehen durch zahlreiche Aufenthalte in Asien oder in Polen weiterentwickeln konnte.
Was hat Sie angetrieben, sich als Chirurg fachlich und berufspolitisch zu engagieren?
HJM: Fachlich haben mich vor allem die multimodalen Therapieansätze mit Blick über den „chirurgischen Tellerrand“ hinaus interessiert, die heute bei der Weiterentwicklung der medizinischen Onkologie immer mehr an Bedeutung gewinnen.

Abb. 1: Langjährige Webbegleiter: Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Joachim Meyer und Dr. Jörg Rüggeberg
Berufspolitisch habe ich mich unter anderem an zahlreichen Seminaren des BDC zur Facharztvorbereitung aktiv beteiligt, auch hier vor allem mit Tumoren des oberen Gastrointestinaltrakts. Weitere berufspolitische Aktivitäten begannen bei mir nach der Präsidentschaft der DGAV 2009/2010, als man mich fragte, ob ich nicht Generalsekretär der DGCH werden möchte. 2012 bin ich dann offiziell zum Generalsekretär als Nachfolger von Professor Hardy Bauer gewählt worden.
Die Kontakte mit dem BDC haben dazu geführt, dass 2015 angefragt wurde, ob ich nicht eine Doppelfunktion übernehmen möchte: DGCH-Generalsekretär und Präsident des BDC. Ziel war es, die Kooperation zwischen Fachgesellschaft und Berufsverband zu erweitern und intensivieren, was uns in einigen Punkten auch gelungen ist. Gemeinsame Projekte sind inzwischen etwa die Herausgabe der Mitgliederzeitschrift Passion Chirurgie, Veröffentlichungen von Pressemitteilungen und die Organisation der Weiterbildungskommission sowie kontinuierliche aktive Teilnahme des BDC am Deutschen Chirurgie Kongress.
Was hat Sie während Ihrer Präsidentschaft für den BDC am meisten geprägt?
HJM: Gern zitiere ich hier Jörg Rüggeberg: Die Fachgesellschaften sind für die wissenschaftlichen Interessen zuständig, während sich der Berufsverband um alle Belange der chirurgischen Gemeinschaft kümmert, vor allem um die Weiter- und Fortbildung.
Welche Wegbegleiter waren Ihnen im Laufe Ihrer Karriere lieb und wichtig?
HJM: So komisch es sich anhören mag, war mein damaliger Chef, Professor Pichlmayr, ein äußerst geschätzter Wegbegleiter. Er hat mich nicht nur bei meinen Forschungstätigkeiten unterstützt, sondern war für mich immer ein außerordentlicher Mentor und Lehrer in der praktischen Chirurgie.

Abb. 2: Familienhund Carla
Beim BDC trifft dies für Professor Michael Polonius zu. Ich mochte ihn wegen seiner empathischen Art und weil er mir jederzeit bei etwaigen Fragen unterstützend zur Verfügung stand. Dann gab es noch Dr. Jörg Rüggeberg: In unserem Einsatz für die Chirurgie waren wir uns stets einig, aber nicht immer im Konsens. Vor meiner Amtsübernahme als Präsident des BDC haben wir daher extra ein Vorabtreffen organisiert, um uns näher „zu beschnüffeln“: Man muss ihn nur gut kennen lernen, dann kann man ihn umso mehr schätzen.
Natürlich waren und sind mir alle Mitglieder im (erweiterten) Vorstand, in der Geschäftsführung sowie der Geschäftsstelle außerordentlich wichtig, wobei in den insgesamt 11 Jahren meiner Amtszeit nach dem eigenen Empfinden stets eine offene und angenehme Atmosphäre der Zusammenarbeit herrschte.
Wo sehen Sie den BDC zukünftig, was wünschen Sie sich für den Verband?
HJM: Ich wünsche dem BDC eine Fortführung der bisherigen Schwerpunkte. Unser Motto ist ja: Der Berufsverband ist für alle Chirurginnen und Chirurgen da und bietet Hilfe und Unterstützung auf allen Ebenen. Natürlich wünsche ich dem Verband weiterhin eine hohe Mitgliederzahl, besonders auch die Mitarbeit von der jüngeren Generation – er hat es verdient! Ich kann nur allen Mitgliedern empfehlen, sich, wenn möglich, aktiv im Verband zu engagieren, sei es im regionalen oder im zentralen Umfeld. Chirurginnen und Chirurgen haben so die Möglichkeit, die Arbeit des Verbands und somit die Berufspolitik im Sinne der Chirurgie möglichst mit zu beeinflussen.
Was wünschen Sie dem chirurgischen Nachwuchs? Welche Botschaft haben Sie für ihn?
HJM: Ich wünsche unserem chirurgischen Nachwuchs heute und in der nächsten Zukunft alles Gute. Ich hoffe, dass die Faszination unseres Faches, die zu Beginn der medizinischen Weiterbildung deutlich höher sein mag als nach Durchlaufen der Weiterbildung, zukünftig erhalten bleibt. Bei allen Schwierigkeiten, die sich durch die strukturellen Veränderungen ergeben werden, sollten wir die Begeisterung für das Fach Chirurgie mit allen seinen Facetten aufrechterhalten. Vor allem aus dem Blickwinkel, dass wir es sind, die den Patienten sehr oft unmittelbar helfen können!
Was sind Ihre Lieblingshobbys, was ihr bevorzugtes Reiseland und was bestellen Sie sich im Restaurant am liebsten?
HJM: Mein Lieblingshobby ist weiterhin Sport in freier Natur, vor allem das Golfspiel. Ich genieße gutes Wetter und lese gerne ein gutes Buch (Krimi!). Mein Lieblingsrestaurant: Ich mag alle Variationen der italienischen Küche.
Welche Tiere haben Sie bisher in Ihrem Leben begleitet?
HJM: In meiner chirurgischen Laufbahn haben mich viele „experimentelle Vierbeiner“ (Schweine der veredelten deutschen Landrasse) begleitet. Zurzeit haben wir inzwischen als vierten Hund einen Hannoverschen Schweißhund namens Carla als weiteres Familienmitglied.
Was hat Ihnen an stressigen Tagen Energie und Motivation gegeben?
HJM: Stress habe ich in der Regel als positiv empfunden und als Antrieb, nicht deprimiert, sondern motiviert zu sein, um zielgerichtet geplante Vorhaben realisieren zu können. Eine Entlastung war früher eine entspannende Zigarette (heute Zigarillo) und am Abend hat ein Nachttrunk – ein Glas Weißwein-Schorle oder ein Bier – zur Erholung beigetragen.
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