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In den chirurgischen Fächern, so auch in der Gefäßchirurgie, wächst die Sorge um den ärztlichen Nachwuchs für unsere Kliniken und Praxen. Die Entwicklung der letzten Jahre wurde gelegentlich in chirurgischer Manier in ihrer Bedeutung nicht entsprechend wahrgenommen.

Als Ursachen für die Nachwuchsprobleme werden veränderte Rahmenbedingungen, z. B. Arbeitszeitgesetz, mehr teilzeitbeschäftigte Ärzte, aber auch die veränderte Lebensplanung und -einstellung junger Ärzte genannt. Dies sind sicher tragende Gründe. Nichtsdestotrotz müssen alle Kollegen vor allem in den leitenden Positionen in der Chirurgie und der Gefäßchirurgie diesen geänderten Rahmenbedingungen Rechnung tragen und darüber hinaus den nachfolgenden Studenten und Ärzten den Beruf des Chirurgen mit all seiner Faszination und seinen Möglichkeiten entsprechend den Schülern und Studenten nahebringen.

Auf verschiedenen Ebenen wird von BDC und den Fachgesellschaften dieses Zukunftsthema aktiv bearbeitet und soll aus diesem Grund in diesem Heft allen chirurgischen Kollegen mit der Bitte um Unterstützung zur Kenntnis gebracht werden.

Die Nachwuchskampagne „Nur Mut! Kein Durchschnittsjob: Chirurg/In“ des BDC, die Studenten bereits früh für den Beruf des Chirurgen faszinieren soll, ist ein hervorragender Ansatz und soll hier im Interview mit Prof. Dr. med. Christian Reeps in dieser Ausgabe für die Gefäßchirurgie beleuchtet werden.

Die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie unterstützt seit Jahren junge Studenten finanziell über die Magic-Kampagne, um den Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie besuchen zu können und damit für das Fach Gefäßchirurgie zu interessieren.

Darüber hinaus hat der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie (DGG) Prof. Dr. med. T. Schmitz-Rixen für die diesjährige Jahrestagung das Motto „Dem Nachwuchs verpflichtet“ gewählt und macht damit die Förderung des Nachwuchses sowohl auf studentischer Seite aber auch auf Assistentenseite sichtbar zu einer der wichtigsten Aufgaben der Fachgesellschaft. Aufgrund des Mottos haben überproportional zahlreich junge Teilnehmer eigene Beiträge eingereicht und es ist in jeder Sitzung ein Nachwuchsforscher im Vorsitz vertreten.

Über die Förderung des Nachwuchses hinaus, wird die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie im Herbst 2017 eine Exzellenz-Akademie auflegen, um den Führungskräftenachwuchs für die Gefäßchirurgie für akademische Positionen und Chefarztstellen zu identifizieren und nachhaltig zu fördern. Dieses Instrument wird in dem Artikel „Meilensteine der Gefäßchirurgie“ im Detail dargestellt.

Zwei weitere Entwicklungen in der Gefäßchirurgie konnten in diesem Jahr vorangebracht werden und stellen für die langfristige Position der Gefäßchirurgie in der Gefäßmedizin in Deutschland eine sehr wichtige Grundlage dar.

Zum einen wird ab dem Herbst 2017 das Screening auf Bauchaortenaneurysma als Kassenleistung für Männer ab 65 Jahre etabliert werden. Damit ist zum ersten Mal ein Screening einer relevanten vaskulären Erkrankung vom G-BA genehmigt worden und wird damit die Bedeutung der vaskulären Medizin in Deutschland sicher steigern. Die Positionierung der Gefäßchirurgie als eines der zentralen Fächer in der Gefäßmedizin, stellen für Ärzte in diesem Bereich hervorragende Zukunftsaussichten dar.

Zum anderen konnte mit einer Konzertierung der Weiterbildungsordnung mit der Bundesärztekammer und den befreundeten Fachgesellschaften die Grundlage für ein weites Betätigungsfeld der Gefäßchirurgen mit Diagnostik und Möglichkeit aller Therapieoptionen (operativ/interventionell/konservativ) sowohl in den arteriellen, aber auch venösen Bereichen erreicht werden. Somit bestehen auch von dieser Seite herausragende Möglichkeiten sowohl im stationären Sektor, als auch im ambulanten Sektor, eine patientenorientierte Gefäßmedizin anzubieten.

Gerade um diese hervorragenden Aussichten jungen Schülern vor der Ausbildung, aber auch Studenten zu vermitteln, ist es notwendig, diese großen Zukunftsperspektiven zu zeigen und die genannten Kampagnen zu intensivieren. Es liegt jedoch darüber hinaus vor allem an uns, die relevanten Verbesserungen der ärztlichen Tätigkeit und der Rahmenbedingungen darzustellen und damit die noch in weiten Teilen bestehenden Vorurteile bezüglich der hohen Arbeitsbelastung und familienunfreundlichen Arbeitsbedingungen in der Chirurgie entgegenzutreten.

Hier sind vor allem die deutlich verbesserten Verdienstmöglichkeiten, Teilzeitarbeitsmöglichkeiten, Verbesserung der Überstundensituation und Dienstbelastungen sowie die Unterstützung bei Dokumentationsaufgaben zu nennen.

Dies alles ist jedoch wenig wirksam, wenn wir es nicht schaffen, die Faszination für die Chirurgie den jungen Kollegen Tag täglich vorzuleben und zu vermitteln. Dies sollte schon sehr früh, z. B. bei Schülerpraktika, im Studium bei Lehrveranstaltungen im Rahmen des Curriculums, aber auch im PJ-Tag täglich erfolgen. Die jungen Kollegen sollten hier auch aktiv eingebunden und gefordert werden. Wir sollten nicht erwarten, dass junge Studenten und Kollegen zu uns kommen, lassen Sie uns für die Chirurgie begeistern und abholen!

Es ist an uns, die Faszination unseres Berufs vorzuleben und weiterzugeben. Es gibt kaum einen anderen Beruf der so befriedigend sein kann. Wir erhalten neben der Freude an der Arbeit positives Feedback durch Patienten und können sehr oft schnell und spürbar den einzelnen Patienten Heilung oder Linderung ihrer Beschwerden bringen.

Ihr
Markus Steinbauer

Steinbauer M. Editorial: Zukunft der Gefäßchirurgie. Passion Chirurgie. 2017 September; 7(09): Artikel 01.

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Autor des Artikels

Prof. Dr. med. Markus Steinbauer

Leiter Fach-Referat Gefäßchirurgie im BDCChefarzt der Klinik für GefäßchirurgieKrankenhaus Barmherzige Brüder RegensburgPrüfeninger Str. 8693049Regensburg kontaktieren

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