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Kinderchirurgie ist Kinderheilkunde mit chirurgischen Methoden oder Chirurgie mit pädiatrischem Hintergrund. Das ist die Verknüpfung zweier sehr unterschiedlicher Mentalitäten zu einem der wenigen Querschnittsfächer der heutigen Medizin. Das Fach ist eine der Säulen unter dem Dach der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Eine flächendeckende kinderchirurgische Versorgung ist jedoch aktuell nicht gegeben und auch zukünftig nicht zu erwarten. Neben sehr spezifischen Krankheitsbildern z. B. in der Neugeborenenchirurgie, die zu einer Verlegung der Kinder in eine kinderchirurgische Einrichtung führen, gibt es Diagnosen, die aufgrund ihrer Häufigkeit auch von Chirurgen anderer fachlicher Ausrichtung behandelt werden. Deshalb ist die thematische Ausrichtung des Heftes so gestaltet, dass die gesamte Kommunität der Chirurgen angesprochen wird und kinderchirurgische Alltagsfragestellungen diskutiert werden.

In einem der letzten Hefte der „Passion Chirurgie“ wurde der aktuelle Stand der Appendektomie ausführlich reflektiert. Dies beschränkte sich jedoch auf das Erwachsenenalter, obwohl die Appendizitis sehr häufig im Kindesalter auftritt. Es erscheint deshalb sinnvoll, heute den kinderchirurgischen Blickwinkel zu ergänzen. Dies erfolgt in der Übersicht von Dingemann und Ure von der MHH Hannover. Sie zeigen neben der altersspezifischen Klinik die diagnostischen Möglichkeiten auf, um auch bei manchmal noch eingeschränkter Kommunikationsfähigkeit zu einer sicheren Diagnose zu kommen.

Die laparoskopische OP-Technik stellt heute den Standard dar, die SILS-Technik wird ergänzend bewertet und auch die konservativen Behandlungsregimes bei der komplizierten wie bei der unkomplizierten Appendizitis kommen mit unterschiedlicher Schlussfolgerung zur Sprache.

Die Leistenhernie gehört zu den häufigsten Diagnosen im Kindesalter. Es handelt sich fast ausschließlich um angeborene, indirekte Brüche. Kellnar und Singer aus dem Klinikum 3. Orden in München stellen drei technische Gesichtspunkte heraus: die Reposition einer eingeklemmten Hernie (besonders bei Früh- und Neugeborenen), die konventionelle offene Herniotomie und die laparoskopische Korrektur mit ihrer jeweils eigenen Technik bei Mädchen und Buben. Abschließend kommen auch die Komplikationen wie Rezidiv und Hodenatrophie zur Sprache. Dieser Artikel ist mit 2 Punkten CME-zertifiziert.

Die distale metaphysäre Unteramfraktur ist die häufigste Fraktur im Kindesalter. Epiphyseolysen werden zwar immer noch als epiphysäre Verletzung klassifiziert, gehören aber prognostisch und deshalb auch therapeutisch zu den metaphysären Traumen. Diese Verletzungen liegen nahe einer hochpotenten Wachstumsfuge. Svoboda und Wessel aus dem Klinikum Mannheim fokussieren deshalb besonders auf die mögliche Spontankorrektur gewisser Fehlstellungen im Laufe des nachfolgenden Wachstums. Entsprechend muss die Therapie in Abhängigkeit vom Alter des Patienten, vom Ausmaß der Fehlstellung und von der verbliebenen Wachstumspotenz der Fuge differenziert werden. Der therapeutische Korridor reicht vom Eingipsen unter Belassung akzeptabler Fehlstellungen über die Reposition mit/ohne Kirschnerdraht-Osteosynthese bis hin zu den selten indizierten Platten oder Fixateuren bei den meta-diaphysären Brüchen der Adoleszenten.

Die Kinderchirurgie versteht sich jedoch nicht nur als das Fach, das sich halt etwas intensiver um die chirurgischen Probleme der jüngeren Patienten kümmert. Kinderchirurgie ist mehr als Chirurgie am Kind. Schmittenbecher aus dem Städtischen Klinikum Karlsruhe verweist unter dieser Überschrift darauf, dass die kinderchirurgische Weiterbildung eine intensive Auseinandersetzung mit dem kranken Kind, seinen besonderen Bedürfnissen und seinem Umfeld mit sich bringt, aber auch in der Regel in einem kindgerechten Umfeld erfolgt und damit den Grundstein für eine kindgerechte Medizin legt. Es geht um persönliche Erfahrung in der Versorgung kranker Kinder und um Bedingungen, unter denen man die Kinder behandelt.

Die „Passion Chirurgie“ ist dieses Mal der Kinderchirurgie gewidmet. Wir hoffen, dass die Zusammenstellung der Themen gelungen ist und unter dem breiten Dach der Chirurgie viele interessierte Leser findet. Wir bedanken uns bei der Redaktion für die Initiative zu diesem Heft und für die reibungslose Umsetzung.

Schmittenbecher P. P. / Ure B. Kinderchirurgie – eine besondere Herausforderung. Passion Chirurgie. 2014 Februar; 4(02): Artikel 01.

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