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Schauen wir in die Geschichte der Medizin, so entsteht Evidenz häufig auf dem Boden von Irrtümern oder Unsicherheiten und nicht einmal so selten auf zufälligen Beobachtungen. Dessen müssen wir uns auch heute immer wieder bewusst werden, wenn wir glauben, dass etwas genauso sein muss, wie es die beste verfügbare Studie des besten Chirurgen in einem Spezialbereich aussagt. Nein, denn was heute vielleicht beste Evidenz ist, kann morgen bereits wieder falsch oder zumindest verbessert worden sein. Nichtsdestotrotz haben wir heute wirkungsvolle Instrumente, die uns ermöglichen das Wissen systematisch zu erweitern und zu untersuchen. Wir wollen Ihnen mit dieser Sonderausgabe zu Evidenzbasierter Medizin den abstrakten theoretischen Begriff der Evidenzbasierten Medizin (EbM) näher bringen und mit praktischem Wissen und Leben füllen.

Herr Dr. Jonitz, Präsident der Ärztekammer Berliner, wird Ihnen dazu einen kleinen Leitfaden zur Verfügung stellen, was Sie von Evidenzbasierter Medizin erwarten dürfen und was eben nicht. Er zeigt auch, wie sich die EbM aus ihrem stiefmütterlichen Dasein zu unserem zentralen Qualitätsinstrument in der Behandlung unserer Patienten gemausert hat und dass EbM keineswegs unsere ärztlichen Basisfähigkeiten, wie eine dezidierte Anamnese oder einen guten und wachsamen klinischen Blick ersetzt. Sie ergänzt es lediglich sinnvoll und hilft uns bei algorithmischem Vorgehen im Therapiefindungsprozess.

Im weiteren stellen wir Ihnen eine Umfrage unter englischen und deutschen Chirurgen vor, die das Wissen um EbM eruieren sollte. Trotz limitierter Teilnehmerzahl zeigt sich, dass EbM als Instrument in der täglichen Entscheidungsfindung angenommen wird, allerdings eine Diskrepanz zwischen wahrgenommener und tatsächlich vorhandener Evidenz besteht. Darüberhinaus zeigten viele persönliche Kommentare, dass ein sicherer Umgang mit Publikationen und Suchmaschinen oder Leitlinien, trotz Wissen um die Existenz und Bedeutung dieser Instrumente oftmals nicht gegeben ist und zu großer Unsicherheit führt.

Analog zu den Ergebnissen haben die Kolleginnen und Kollegen um PD Dr. Markus Diener (Leiter des Studienzentrums der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie) vom Universitätsklinikum Heidelberg einen ausführlichen Artikel zur Klärung der Grundbegriffe zu EbM sowie im Praxisteil eine Anleitung zur Qualitätsbeurteilung von wissenschaftlichen Publikationen erstellt, der Ihnen helfen soll sicher durch den Dschungel an Informationen zu navigieren und die Spreu vom Weizen zu trennen. Passend dazu, stellen die Kollegen um Frau PD Dr. Stroh aus Gera Beobachtungsstudien für die chirurgische Qualitätssicherung als eine gute Alternative zu randomisierten kontrollierten Studien vor. Eine kleine Übersicht gängiger und hilfreicher Quellen soll Ihr neu erworbenes Wissen unterfüttern. An drei kurzen einfachen Praxisbeispielen wird die Anwendung der EbM sowie der entsprechenden Quellen kurz noch plastisch erläutert.

Wir hoffen, dass wir Ihnen Evidenzbasierte Medizin mit dieser Übersicht näher bringen können und dass Sie etwas sicherer durch den Alltag geleitet werden. Im heutigen schnellen Wandel in der Gesellschaft und der Medizin ist sie für uns Chirurgen ein unabdingbarer Begleiter zur optimalen Betreuung unserer Patienten und hilft uns Qualität transparent zu machen. Durch die Etablierung entsprechender Forschungszentren und Schwerpunkte haben wir als Chirurgen bewiesen, dass wir diese Herausforderung klinisch und wissenschaftlich annehmen wollen und umsetzen können. Neben der Erweiterung der Evidenz durch klinische Studien zu Unsicherheiten sowie der Durchführung von Qualitätssicherungsstudien steht uns hier ein optimales Handwerkszeug zur sicheren Therapie für unsere Patienten parat.

Viel Spaß beim Lesen!

Schnitzbauer A. Editorial Evidenzbasierte Medizin (EbM). Passion Chirurgie. 2014 März; 4(03): Artikel 01.

Autor des Artikels

PD. Dr. med. Andreas Schnitzbauer

OberarztGoethe-Universität Frankfurt am MainKlinik für Allgemein- und ViszeralchirurgieTheodor-Stern-Kai 760590Frankfurt am Main kontaktieren

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