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Am 29. September verstarb nur wenige Tage vor seinem 85. Geburtstag Dr. med. Jürgen Bauch in Hannover.

Der langjährige Schriftführer und Vizepräsident des BDC hinterläßt in seiner Familie und beim Berufsverband der Deutschen Chirurgen eine schmerzhafte und nicht zu schließende Lücke. Der Vorstand des Berufsverbandes gedenkt seinem Wirken und seiner Verdienste für den BDC mit großem Respekt und tiefer Trauer.

Dr. Bauchs Verdienste um den Berufsverband der Deutschen Chirurgen sind nicht hoch genug einzuschätzen und zeugen von Jahrzehnten unermüdlicher Arbeit im Dienste Deutscher Chirurgen.„Das Leben ist wie ein Theaterstück, man spielt die Hauptrolle, dann eine Nebenrolle, später souffliert man nur noch und dann sieht man den Vorhang fallen“, soll Winston Churchill gesagt haben.

Die Hauptrolle spielte Jürgen Bauch in zahlreichen Stücken. Als junger Chirurg Oberarzt einer großen chirurgischen Abteilung am Nordstadt-Krankenhaus in Hannover. Später gründet er eine chirurgische Praxis, die sich bald großen Zuspruchs erfreut. Zusätzlich ist er als Belegarzt operativ tätig. Sein Arbeitsumfang muss enorm gewesen sein. Dennoch veranlasst ihn die Sorge um den Berufsstand des Chirurgen und um die Berufspolitik überhaupt zur Mitarbeit im noch jungen BDC.Am 23.11.1985 wird Jürgen Bauch zum Vorsitzenden des Landesverbandes Niedersachsen des BDC gewählt. Seit 1986 ist der Mitglied des erweiterten Präsidiums des BDC als Landesvorsitzender. Seine Erfahrung und sein abgewogenes Urteil veranlasste das Präsidium, ihn in das geschäftsführende Präsidium zu bitten, um im engeren „Führungszirkel“ des BDC mitzuarbeiten.

Von 1993 bis 1998 ist er Schriftführer des BDC und wird mit der Übernahme des Präsidentenamtes durch Prof. Jens Witte aus Augsburg, mit dem ihm eine langjährige enge Freundschaft verband, Vizepräsident des BDC. Dieses Amt hatte er bis zum Jahre 2002 inne.Unter seiner steten Arbeit als Schriftführer und später als Vizepräsident entwickelte sich die BDC-Mitgliederzeitschrift „Der Chirurg BDC“ zur meistgelesenen und auflagenstärksten Chirurgenzeitschrift in Deutschland. Bald zeigte die Zeitschrift ein neues Gesicht, ausdrucksvoller und inhaltsreicher. Gemeinsam mit dem damaligen Inhaber des Springer-Verlages, Herrn Dr. Götze, teilte er die Überzeugung, daß „Wissen und Publizieren ohne Weisheit wie ein Schiff ohne Ruder” sind.

Jürgen Bauch war es auch, der von Beginn an als Herausgeber die Rubrik “Weiter- und Fortbildung” im “Chirurgen” entwickelte und prägte. Zunächst unter erheblichem Widerstand der Herausgeber, wie er später immer mit einem Schmunzeln erzählte. “Diese hielten die chirurgische Weiter- und Fortbildung für Propädeutik und einer renommierten wissenschaftlichen Zeitschrift für nicht würdig”, berichtete er immer wieder gern in den Präsidiumssitzungen des BDC. Der Erfolg gab Jürgen Bauch jedoch Recht. Die Rubrik “Weiter- und Fortbildung” ist seit vielen Jahren die beliebteste und am meisten gelesene Rubrik der Zeitschrift “Der Chirurg”.

Nach seinem Ausscheiden aus den offiziellen Ämtern des BDC-Präsidiums begann für Jürgen Bauch die Zeit des Soufflierens. In dieser Disziplin war er bereits seit der Übernahme der BDC-Akademie durch Prof. Jens Witte ein Weltmeister. Sein Rat war bei Witte und im gesamten BDC-Präsidium, aber auch im Präsidium der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie hoch geschätzt. Jürgen Bauch war väterlicher Berater und harter Verhandlungsführer für die Sache des BDC. Der gesamten deutschen Chirurgie hat Jürgen Bauch einen bleibenden Dienst erwiesen, als es ihm 1999 in geschickten Verhandlungen mit der Humboldt-Universität Berlin und der Charité gelang, das Langenbeck-Virchow-Haus in Berlin wieder für die Ansiedlung der chirurgischen Fachgesellschaften und des Berufsverbandes nutzbar zu machen.

Diese “Übernahme” des Hauses durch den Generalmieter BDC war die Grundlage für den raschen Einzug aller Fachgesellschaften und des BDC im Jahr 2000 sowie für den in Folgejahren erfolgreich geführten Rechtsstreit um die Rücküberführung des Langenbeck-Virchow-Hauses in den Besitz der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie und der Berliner Medizinischen Gesellschaft.Seine Ehrungen sind zahlreich: unter anderem Ehrensenator der Medizinischen Hochschule Hannover, Ehrenmitglied des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgen der Vereinigung Nordwestdeutscher Chirurgen, Verleihung des Bundesverdienstkreuzes und der Max-Lebsche-Medaille der Vereinigung Bayerischer Chirurgen. Seine hervorragenden Kenntnisse des Sozialrechts im Hinblick auf die Medizin führten zur Ernennung zum ehrenamtlichen Richter am Bundessozialgericht.

Nun hat sich zu unser aller Erschütterung auch der letzte Akt aus Churchills “Theaterstück des Lebens” erfüllt. Der Vorhang ist gefallen und die Welt scheint für einen unendlichen Moment still zu stehen.Wir gedenken eines großen Chirurgen und Berufspolitikers, liebevollen Familienvaters und engem Freund. Mit Ehrfurcht sehen wir auf sein Lebenswerk und sind mit Gedanken und Gebeten bei seiner Frau Anneliese und seiner Familie.

Ansorg, J. Nachruf Dr. med. Jürgen Bauch. Passion Chirurgie. 2011 September; 1(9): Artikel 10_01.

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Autor des Artikels

Dr. med. Jörg Ulrich Ansorg

GeschäftsführerBerufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) e. V.ehem. BDC-GeschäftsführerStraße des 17. Juni 106–10810623Berlin kontaktieren

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