01.08.2018 Panorama
Die Initiative Women in Global Health – Germany

Frauen stellen im Durchschnitt weltweit 70 Prozent der Global Health Workforce dar, aber nur 25 Prozent sind in Führungspositionen vertreten. Bei den Vereinten Nationen sind nur 23 Prozent der Führungskräfte Frauen und bei den globalen Gesundheitsinitiativen nur 17 von 74 Führungskräften weiblich [1]. Über die Finanzierung und Ressourcenverteilung in der globalen Gesundheit – immerhin ein Budget von bis zu 92,1 Billionen Dollar – entscheiden zu 70 Prozent Männer. Im WHO Executive Board sind ein Drittel Frauen und die Anzahl der weiblichen Chief Delegates im World Health Assembly liegt ebenfalls bei einem Drittel [2]. Bei UNICEF sind zum Beispiel zwei der sechs Executive Directors Frauen [3].
Um Frauen, die in Global Health tätig sind, mehr Sichtbarkeit zu geben, wurde 2014 von Prof. Dr. Dr. h.c. Ilona Kickbusch am Graduate Institute of International and Development Studies, Genf eine Twitter-Kampagne gestartet und Namensvorschläge von Frauen gesammelt. Die Liste der 100 Women Leaders in Global Health konnte im Dezember 2014 vorgelegt werden [4]. Nach einer Veröffentlichung in The Lancet folgten weitere Nominierungen, sodass 2015 eine Liste von 300 Frauen [5] erstellt wurde. In diesem Zeitraum wurde die Initiative „Women in Global Health – A Movement for Gender Equality in Global Health Leadership“ [6] von Dr. Roopa Dhatt, Dr. Desiree Lichtenstein, Caitlin Jackson and Kristina Ronsin gegründet, um Frauen in Führungspositionen in der globalen Gesundheit zu unterstützen und auf diese Weise zur Verbesserung der Gesundheit weltweit beizutragen. Es wurde vorgeschlagen, dass nun regionale und nationale Listen erstellt werden sollten, um eine bessere Vernetzung vor Ort zu gewährleisten.
Diese Idee haben Prof. Dr. Dr. h.c. Ilona Kickbusch und Dr. Sabine Ludwig aufgegriffen und im Juli 2017 in Berlin zu einem Treffen eingeladen, um über die Gründung einer Initiative „Women in Global Health – Germany“ (WGH-GER) zu beraten. Der Zeitpunkt schien richtig, denn Deutschland spielt eine immer bedeutendere Rolle in der globalen Gesundheit, und es gilt sicherzustellen, dass Frauen zu dieser Entwicklung entscheidend beitragen können.
Eine Gruppe von Frauen in Berlin, die im Bereich der globalen Gesundheit tätig sind, wurde etabliert. Es wurde beschlossen, als erstes Namensvorschläge für eine Liste zu sammeln, die die Basis für ein Netzwerk von Frauen in Global Health in Deutschland sein kann. Sie umfasst Frauen aus Deutschland, die international in Global Health tätig sind sowie Frauen, die in der globalen Gesundheit in Deutschland tätig sind und mindestens über eine zweijährige Berufserfahrung in diesem Bereich verfügen. Dr. Roopa Dhatt stand dabei beratend zur Seite. WGH-GER ist nun das erste nationale „pilot chapter” der internationalen Initiative. Die ersten Schritte für weitere lokale Netzwerke und nationale „pilot chapters“ werden bereits in Norwegen, Schweden und Kanada unternommen.
Am 12. Januar 2018 konnte im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung die Liste und das Netzwerk offiziell vorgestellt werden. Die Veranstaltung wurde zudem vom Bundesministeriums für Gesundheit (BMG), dem World Health Summit (WHS) und der German Healthcare Partnership (GHP) und individuellen Frauen von der Liste unterstützt. Mehr als 70 Frauen nahmen an der Veranstaltung teil.
Die Liste umfasst über 100 Nominierungen, sie ist alphabetisch geordnet und stellt kein Ranking dar. Es sind unter anderem Frauen aus dem akademischen Bereich, aus Wissenschaftszentren, Stiftungen, Nichtregierungsorganisationen, internationalen Organisationen, Ministerien und aus dem Privatsektor vertreten. Die Frauen kommen aus sehr unterschiedlichen Fachgebieten und gerade diese Breite macht es so spannend.
Die Liste soll dazu beitragen, die Sichtbarkeit von Frauen in Global Health zu erhöhen und die Vernetzung der Listenteilnehmerinnen zu fördern. Dies erfolgt bereits und wurde durch die Veranstaltung am 12. Januar 2018 weiter unterstützt. Zudem sollen weitere Mitglieder für die Liste bzw. das Netzwerk gewonnen und die Broschüre verbreitet werden. Sie soll Veranstaltern helfen, die Anzahl von Frauen auf Panels und als Rednerinnen zu erhöhen die Ausrede „es gibt keine Frauen” gilt ab jetzt nicht mehr. Hierzu sollen Kriterien entwickelt und direkt an Veranstalter herangetreten werden. Sie soll Arbeitgebern und Head Huntern bei Stellenbesetzungen sowie Universitäten bei Berufungen unterstützen und Studentinnen helfen, Mentorinnen zu finden. Das Auswärtige Amt benutzt die Liste bereits aktiv im Hinblick auf Namen von Frauen für Positionen in internationalen Organisationen. Auf diese Weise soll ein Beitrag zur Erhöhung des Anteils der Frauen in Führungspositionen im Bereich Global Health geleistet werden. Des Weiteren sollen Themen der globalen Gesundheit identifiziert werden, die das Netzwerk für wichtig einschätzt und politische Teilhabe an der Überarbeitung der Global Health Strategie der Bundesregierung angestrebt werden. Zudem sollen Daten zur Geschlechterverteilung der Organisationen und Institutionen der Frauen auf der Liste zusammengestellt und ein Mentoringprogramm entwickelt werden. Ein weiteres Handlungsfeld ist die Unterstützung anderer Länder bei der Gründung von nationalen „pilot chapters.“ Man wird noch viel von dem Netzwerk hören – es wird sich einmischen.
Sollten Sie Interesse am Netzwerk haben, können Sie die Liste bzw. Broschüre HIER abrufen oder eine Nachricht an sabine.ludwig@charite.de schicken.
Literatur
[1] Hawkes S, Buse K, Kapilashrami A. Gender blind? An analysis of global public private partnerships for health. Globalization and Health, 2017: 13:26.
[2] Dhatt R. et al. Women in Global Health. Vortrag World Health Summit 2017.
[3] WHO 2016 Human Resources Report, Devex International Development.
[4] Devi, Sharmila. Twitter campaign highlights top women in global health. The Lancet, Volume 38, Issue 9965, 318.
[5] http://www.who.int/alliance-hpsr/news/2015/300women/en/
[6] http://www.womeningh.org/
Ludwig S: Die Initiative Women in Global Health – Germany. Passion Chirurgie. 2018 August, 8(08): Artikel 08.
Autor des Artikels
Dr. med. Sabine Ludwig
Gründerin der Initiative "Woman in Global Health Germany"Charité – Universitätsmedizin BerlinRobert Koch-Institut kontaktierenWeitere aktuelle Artikel
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