24.04.2024 BDC|News
Ambulantes Operieren: Cui bono?

Zur Ausgabe 04/2024: Ambulantes Operieren im Zeitalter der Krankenhausreform
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
diese Ausgabe der Passion widmet sich (mal wieder) den Problemen des ambulanten Operierens. Nach Jahrzehnten strenger Abschottung zwischen der stationären und ambulanten Versorgungsebene ist tatsächlich mit Beginn des Jahres die sogenannte sektorengleiche Vergütung über den § 115f SGB V eingeführt worden. Allerdings war schon der Start geprägt von verbissenen Grabenkämpfen innerhalb der Selbstverwaltung. Angesichts der erheblichen Absenkung der Honorare gegenüber bisherigen stationären DRGs war abzusehen, dass die Kliniken durchaus nachvollziehbar nur ein sehr kleines Spektrum ambulantisierbarer Eingriffe vorgeschlagen haben, die Kassenärztliche Bundesvereinigung dagegen einen extrem umfangreichen Katalog abgeliefert hat. Da eine Einigung nicht möglich war, hat das Bundesministerium per Rechtsverordnung entschieden. Wie immer bei einem Kompromiss sind alle Beteiligten mit dem Ergebnis unzufrieden. Erschwerend kommt hinzu, dass es keine Regelungen zur konkreten Abrechnung der neuen H-DRG gab. Für die Kliniken haben sich Kassen und Krankenhausgesellschaft rasch geeinigt. Im Wesentlichen werden die neuen H-DRG in der bekannten an Krankenhäusern etablierten Struktur abgerechnet. Kein Wunder, denn die Kassen profitieren von der Absenkung der Vergütung und haben demnach ein Interesse an einer zügigen Umsetzung.
Ganz anders im niedergelassenen Bereich. Zwar gibt es seit Kurzem auch dort eine Vereinbarung zwischen KBV und GKV, die ist aber zu einer Monopolregelung für die Kassenärztlichen Vereinigungen verkommen. Die Kassen verweigern eine Abrechnung über Drittanbieter und wollen diese erst zum 01.01.2025 ermöglichen. (Am 31.12.2024 läuft die Rechtsverordnung übrigens aus!!) Natürlich hat die KBV ein Interesse daran, exklusiv tätig zu werden. Immerhin fließen Verwaltungskosten und vor allem bleibt der Zugriff auf die Patienten im KV-System.
Bleibt die Frage, wem nützt das alles? Profiteure einer Ambulantisierung sind primär die Kostenträger, denn die Reduktion stationärer DRG wird immer eine Einsparung nach sich ziehen, selbst wenn über die H-DRG die zu generierenden Erlöse meist (aber keinesfalls immer) etwas höher sind als in einer Abrechnung nach EBM. Die Kliniken können kein großes Interesse haben, sowohl aus finanzieller Sicht wie auch aus deren Selbstverständnis heraus, jedenfalls solange es nicht gelingt, das stationär wegfallende Spektrum am eigenen Haus in einer ambulanten Struktur zu etablieren. Auf die Probleme für die fachärztliche Weiterbildung haben wir schon mehrfach hingewiesen.
Auch im vertragsärztlichen Bereich ist das Interesse begrenzt, solange die Honorierung nicht kostendeckend ist. Insbesondere die aus der H-DRG selbst zu tragenden Kosten für Implantate und andere Sachmittel führen oft genug zu deutlichen Defiziten. Wieder einmal wird die gute Versorgung unserer Patienten unter ökonomischen Gesichtspunkten gefährdet.
Sie finden in dieser Ausgabe einige vertiefende Artikel. Im Übrigen wird uns das Thema mit Sicherheit auch während des Deutschen Chirurgiekongresses beschäftigen, zu dem ich Sie an dieser Stelle herzlich einladen darf.
Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre,
Ihr Jörg-Andreas Rüggeberg
Rüggeberg JA: Editorial: Cui bono? Passion Chirurgie. 2024 April; 14(04): Artikel 01.
Autor:in des Artikels
Weitere aktuelle Artikel
01.06.2026 BDC|News
Editorial 06/QII/2026: Passion Chirurgie
Der BDC hat seit seiner Gründung im Jahr 1960 vieles erlebt: Die Reformen und Gesetze unterschiedlicher Regierungskonstellationen, kommende und scheidende BDC-Mandatsträger:innen und deren entsprechende Charaktere, starke und leisere Landesverbände, zufriedene und streitbare Mitglieder, politischen Rücken- und Gegenwind. In all diesen Jahren hat sich der Verband immer wieder selbst reflektiert und weiterentwickelt – im Blick dabei immer die Bedürfnisse der Mitglieder und der chirurgischen Community. In dieser Ausgabe verabschieden sich Professor Dr. Dr. h.c. Hans-Joachim Meyer und Dr. Jörg-A. Rüggeberg bei Ihnen, unseren Mitgliedern.
01.06.2026 BDC|News
Editorial 06/QII/2026: Kongressnachlese DCK 2026
Editorial zum DCK 2026 - Der DCK2026 in Leipzig hat eindrucksvoll gezeigt, wie lebendig, innovativ und zugleich menschlich die Chirurgie mit all ihren Fächern in Deutschland aufgestellt ist. Vom 22. bis 24. April wurde die Messestadt erneut zum zentralen Treffpunkt für Chirurginnen und Chirurgen aller Fachrichtungen – und zu einem Ort des intensiven Austauschs zwischen Wissenschaft, klinischer Praxis, Nachwuchs, Bundeswehr und Industrie.
01.06.2026 Aus- & Weiterbildung
Der BDC-Leitfaden Weiterbildung im Verbund
Sie möchten in Ihrer Klinik, Ihrem Medizinischen Versorgungszentrum oder Ihrer Praxis weiterbilden? Sie sind Arzt oder Ärztin in Weiterbildung und haben Fragen oder möchten sich zu Ihren Rechten und Möglichkeiten informieren? Wir haben da etwas für Sie!
01.06.2026 Akademie aktuell
Akademie aktuell: Mit unseren Fortbildungen angstfrei in die Facharztprüfung
acharztseminare sind seit vielen Jahren ein fester Bestandteil des Angebots der BDC|Akademie. Sie sind gezielt darauf ausgerichtet, das in der sechsjährigen Weiterbildung erworbene Wissen kompakt aufzufrischen und prüfungsrelevant zu bündeln – damit junge Ärztinnen und Ärzte bestens vorbereitet in ihre Facharztprüfung gehen können.
Lesen Sie PASSION CHIRURGIE!
Die Monatsausgaben der Mitgliederzeitschrift können Sie als eMagazin online lesen.

