Unser Format BDC|Schnittstelle präsentiert in regelmäßigen Abständen Persönlichkeiten mit wichtigen Funktionen im BDC. Heute im Fokus: Dr. Matthias Krüger, Facharzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie und Landesverbandsvorsitzender des BDC|Sachsen-Anhalt.
1. Welchen Auftrag haben Sie sich für Ihren Landesverband persönlich auf die Fahne geschrieben. Was sind Ihre Pläne in Sachsen-Anhalt?
Zusammen mit dem Vorstand strebe ich eine stärkere Verzahnung der Mitglieder Sachsen-Anhalt mit den gesundheitlichen Themen des Landes Sachsen-Anhalt an. Weiterhin plane ich eine Professionalisierung der Verbandsarbeit an den Themen- und Problemfeldern der chirurgisch-ländlichen Versorgungsrealität. Ziel ist es eine stärkere Anbindung der Mitglieder an den BDC durch regelmäßige Veranstaltungen, gern als Hybridformat mit den anderen Landesverbänden Mitteldeutschlands. Hierzu werden ich – gemeinsam mit dem Vorstand – in den nächsten Wochen und Monaten intensive Gespräche führen und Konzept erarbeiten. Eine Befragung der Mitglieder des Landesverbandes Sachsen-Anhalt zu diesen Themenfeldern unter dem Motto: “Was wünsche ich von meinem Landesverband?” soll die Grundlage dafür sein. Ich möchte den intersektoralen und interprofessionalen Austausch mit allen Protagonisten fördern und sowohl mit den Leistungsträgern aber auch mit Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ausbauen. Am Ende soll ein starkes berufspolitisches Netzwerk aus allen an der Gesundheitsversorgung in Sachsen-Anhalt beteiligten Akteuren entstehen.
2. Welches Thema liegt Ihnen in den nächsten Jahren besonders am Herzen? Mir liegen folgende 5 Themenfelder besonders am Herzen:
– Fachkräftemangel im Gesundheitswesen
– Chirurgische Aus- und Weiterbildung (Finanzierung, Verbundweiterbildung, Möglichkeiten der intersektoralen Weiterbildung)
– Gesamte Gebiet Krankenhausreform insbesondere einer flächendeckenden Sicherstellung der chirurgischen Versorgungsqualität (Leistungsgruppen)
– Stärkere Verzahnung von Ökonomie und Medizin im Sinne einer Stärkung der medizinischen Excellence in den Führungsgremien von Gesundheitseinrichtungen
– Modernisierung des Landesverbandes – Mitmachen-Mitgestalten-Versorgung sichern
3. Wie möchten Sie die Themen mit dem BDC anpacken? Wen und was benötigen Sie dafür? Welche sind zu überwinden? Die Bearbeitung der Themen und deren erfolgreiche Umsetzung sind stark von dem Engagement der Mitglieder abhängig. Diese gilt es für den Landesverband und für die Berufspolitik zu motivieren. Die alltägliche Belastung der Chirurginnen und Chirurgen in Weiterbildung, als Fach-, Ober- und Chefärzte sind mitunter enorm und lassen hier scheinbar wenig Spielraum. Der ökonomische Druck spaltet mitunter Ökonomie und Medizin. Die Gespräche auf Führungsebene werden kontroverser. Nicht nur die Themen und Problemfelder ansprechen, sondern auch aktiv mitanpacken muss das Ziel sein. Dafür müssen geeignete Formate neu gedacht und etabliert werden. Wir stehen vor enormen Herausforderungen, die wir nur gemeinsam bewerkstelligen können.
4. Welche Verantwortung und welchen spezifischen Einfluss auf die Politik hat der BDC als berufspolitischer Vertreter aller Chirurginnen und Chirurgen und haben speziell die Landesverbände aus Ihrer Sicht? Leider muss ich feststellen, dass unser Einfluss auf die Politik in den letzten Jahren stark gesunken bis nahezu null ist. Die Politik scheint uns als Interessensgruppe nicht mehr richtig wahrzunehmen. Ursache ist hier sicherlich, dass es uns nicht gelungen ist als „Einheit der Chirurgie“ aufzutreten. Die diesbezüglichen jahrelangen Bemühungen des BDC waren nicht ausreichend erfolgreich. Die Besitzstandswahrungen der einzelnen
Interessensgruppen waren scheinbar zu groß. Die Verlustaversionen verhinderten zeitweise eine starke gemeinsame Stimme. Hier muss der BDC wieder klar als berufspolitische Stimme auftreten. Aus meiner Sicht haben die Landesverbände die Verantwortung, sich zu einer starken Stimme unter dem Motto: Chirurgie gestaltet Versorgung durch den Aufbau eines starken intersektoral-interprofessionalen Netzwerkes aus Landespolitik, Wirtschaft und Gesellschaft zu entwickeln. In der „Versorgungsallianz Gesundheit“ sind alle Interessierten eingeladen mitzumachen.
5. Was wünschen Sie sich für deinen Landesverband, den BDC und deine Arbeit in den nächsten Jahren nach innen und nach außen? Für den Landesverband wünsche ich mir einen lebendigen und engagierten Landesverband, der sich traut, auch unangenehme gesundheitspolitische Positionen im Interesse unserer Mitglieder anzusprechen, zu diskutieren aber auch Lösungen zu erarbeiten.
Mein Slogan für Sachsen-Anhalt ist: „Chirurgie braucht Engagement. Unseres.“
Für den BDC insgesamt wünsche ich mir:
Innen
1. Ausbau der Transparenz für die Mitglieder der Arbeit des BDCs in der Gremienarbeit
2. Controlling der Effizienz der Gremienarbeit
3. Modernisierung der Vereinsstruktur und ggf. Überprüfung der Vereinsziele
Außen
1. Stärkere Förderung des chirurgischen Nachwuchses – Ohne Nachwuchs keine Versorgung
2. Starke Stimme für verlässliche gesundheitspolitische Rahmenbedingungen – Versorgung braucht politische Verlässlichkeit
3. Aufbau eines starken Netzwerkes aller an der Gesundheitsversorgung beteiligten Partner – Partnerschaft für die Zukunft der Chirurgie
6. Warum lohnt sich als Mitglied ein Engagement im BDC und wer kann/sollte für ein Mandat kandidieren? Ein Engagement im BDC lohnt sich, weil berufspolitische Entscheidungen unseren Alltag unmittelbar beeinflussen – Arbeitsbedingungen, Weiterbildung, Krankenhausstrukturen oder Vergütung. Wenn wir diese Themen nicht selbst mitgestalten, werden sie von anderen entschieden. Der BDC bietet die Möglichkeit, die Zukunft der Chirurgie aktiv mitzuprägen und sich gleichzeitig mit engagierten Kolleginnen und Kollegen zu vernetzen. Die Akademie ist seit Jahren ein Garant für qualitative Fort- und Weiterbildung. Ich wünsche mir, dass sich künftig noch mehr Kolleginnen und Kollegen für ein Mandat im Verband zur Verfügung stellen – aus Klinik und Praxis, aus unterschiedlichen chirurgischen Disziplinen und besonders auch aus der jüngeren Generation. Der Verband lebt von der Vielfalt der Perspektiven. Der BDC ist über viele Jahre von sehr erfahrenen Persönlichkeiten geprägt worden, denen wir viel zu verdanken haben. Gleichzeitig ist es wichtig, dass nun auch jüngere Kolleginnen und Kollegen Verantwortung übernehmen und neue Ideen einbringen. Es geht nicht darum, die Lebensleistung der „Alten“ in Frage zu stellen, sondern darum, auf diesem Fundament gemeinsam die Zukunft der Chirurgie weiterzuentwickeln.
Berufspolitik braucht Erfahrung – aber sie braucht genauso neue Perspektiven und Engagement.
Kurzporträt Dr. Matthias Krüger
Dr. Matthias Krüger ist Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie mit besonderer Expertise in der kolorektalen Chirurgie. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich klinisch und wissenschaftlich mit Erkrankungen des Kolons und Rektums sowie von Beckenbodenfunktionsstörungen nach operativen Eingriffen.
Neben seiner operativen Tätigkeit gilt sein Interesse der Weiterentwicklung von Qualität, Sicherheit und Organisation in der Medizin. Fragen des klinischen Risiko- und Qualitätsmanagements sowie die
gesundheitsökonomischen Herausforderungen des deutschen Gesundheitssystems auf Klinik-, Landesund Bundesebene bilden einen weiteren Schwerpunkt seiner Arbeit.
Mit seinem Master of Arts in Health Business Administration verbindet er medizinische Expertise mit ökonomischem Verständnis. Sein Anliegen ist es, eine gemeinsame Sprache zwischen Medizin und Ökonomie zu entwickeln, um klinische Qualität, wirtschaftliche Rahmenbedingungen und strategische Krankenhausentwicklung besser miteinander zu verbinden. Darüber hinaus engagiert er sich für moderne Führung im Gesundheitswesen. Als Netzwerkexperte und systemischer Businesscoach für Führungskräfte setzt er sich für zeitgemäße Führungsinstrumente, interdisziplinäre Zusammenarbeit und starke professionelle Netzwerke im Gesundheitssystem ein.
Sein berufspolitisches Engagement begann bereits während der Assistenzarztzeit im Berufsverband der Deutschen Chirurgie (BDC). Dort engagierte er sich früh in der Nachwuchsförderung und war Mitglied des Präsidiums. Sein Ziel war und ist es, jungen Chirurginnen und Chirurgen eine stärkere Stimme in der Berufspolitik zu geben. In diesem Zusammenhang war er auch Mitbegründer des Bündnisses Junge Ärzte.
Heute ist Dr. Matthias Krüger Landesvorsitzender des BDC in Sachsen-Anhalt und befindet sich in seiner zweiten Legislaturperiode. Sein besonderes Anliegen ist es, die chirurgische Versorgung – insbesondere in einem Flächenland – aktiv mitzugestalten und den Dialog zwischen Chirurgie, Politik und allen Partnern der Gesundheitsversorgung zu stärken.
FA für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Zusatzqualifikation: spezielle Viszeralchirurgie, Proktologie, Notfallmedizin
Master of Arts Health Business Administration
Klinischer Risikomanager
Lehrbeauftragter Chirurgie im Studiengang Physician Assistance an der Hochschule Anhalt, Köthen
Systemischer Businesscoach (Quadriga University)
Externer Fachauditor DIN ISO En 9001-2015 und Organzentren
In der Webinar-Reihe „Fraktur im Fokus“ nimmt die BDC eAkademie jeden Monat des Jahres eine Fraktur unter die Lupe. Expert:innen für den jeweiligen Bereich stellen die aktuelle Entwicklungen auf ihrem Gebiet vor und diskutieren diese anschließend anhand von konkreten Fallbeispielen.
Wenn ein Thema in die Chirurgie gehört und chirurgischer nicht sein kann, dann alles rund um das Wundmanagement. Was zunächst selbstverständlich klingt, erweist sich spätestens beim zweiten Blick als komplexes Thema.
DCK Kompakt als Podcast. Das Surgeon Talk Team hat die #hot#topics des Deutschen Chirurgie Kongress eingefangen. Kurzweilig, prägnant und unterhaltsam.
Wir freuen uns, Ihnen in der Juliausgabe der Passion Chirurgie die zweite Sonderausgabe der Safety Clips zu präsentieren, in dem praxisnah die unterschiedlichsten Ursachen von Behandlungsfehlern beschrieben werden, oft verdeutlicht durch Statistiken zu Schadenhäufigkeiten. Immer geht es auch um Strategien zur aktiven Fehlervermeidung. Kritische Ereignisse in der Patientenversorgung werden beschrieben, analysiert und bewertet, ergänzt durch juristische Stellungnahmen und praktische Hinweise zur Risikobewältigung.
unabhängig vom Schwerpunkt der letzten Ausgaben der Passion Chirurgie , waren die beunruhigenden demographischen und wirtschaftsstrukturellen Entwicklungen in unserer Gesellschaft bereits häufiger Thema unserer Publikationen. Ob Weiterbildung, Nachwuchs, oder ambulante Versorgung – alles muss im Lichte des politischen und ökonomischen Umfeldes betrachtet werden.
In dieser Ausgabe widmen wir uns direkt den wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen im Medizinsystem Deutschland, wie es für uns Chirurginnen und Chirurgen relevant ist. Unter dem Titel Monetarisierung des Patienten diskutieren unser Präsident und weitere Autoren über die Schnittstelle Ökonomie-Chirurgie auf verschiedensten Ebenen – vom Blick auf das Fachgebietsbranding über die Grenzen der wirtschaftlichen Analyse des Patienten bis hin zur Betrachtung der Zukunft des gesamten Gesundheitssystems.
In dieser Ausgabe der Passion Chirurgie mit dem Titel “Notfallmedizin – Fachkompetenz vs. Facharzt” geht es um die Rolle der Notfallmedizin im modernen chirurgischen Berufsleben. Notfälle begleiten uns ein berufliches Leben lang, nicht nur in der Notaufnahme, sondern auch auf der Station oder in der Praxis. Die Behandlung von Notfallpatienten ist Kernkompetenz chirurgischer Tätigkeit – trotz Spezialisierung sowie strukturellem und medizinischem Fortschritt.
Unsere Autoren gehen im Detail auf die Situation der Notfallmedizin in Deutschland ein und plädieren im Ergebnis für mehr Fachkompetenz, aber klar gegen eine neue Facharztqualifikation für Notfallmedizin. Die Notfallkompetenz muss weiterhin in den großen medizinischen Fachgebieten erhalten bleiben, darüber sind wir uns mit den Berufsverbänden der Internisten, Anästhesisten und vielen weiteren Gebieten einig.
Das Thema der vierten Ausgabe diesen Jahres ist Appendektomie in Deutschland, denn einerseits ist die Appendektomie mit jährlich über 120.000 Operationen der häufigste Notfalleingriff in der Chirurgie überhaupt und betrifft somit eine große Anzahl an Patienten und Ärzten, andererseits wird er in Kliniken aller Versorgungsstufen durchgeführt und muss flächendeckend jederzeit („24/7“) erfolgen können.
Wir haben dazu wieder eine Auswahl von analytischen und fundierten Artikeln – zum Beispiel Die Appendektomie 2011/2012 in Deutschland – Ergebnisse der bundesweiten Erhebung zur Technik der Appendektomie (BETA), eine Studie, die mit Unterstützung des BDC ins Leben gerufen wurde – und praktisch anwendbarer Weiterbildung – unter anderem Schau Dich schlau: Wichtigste Operationsschritte bei der offenen und der laparoskopischen Appendektomie für Sie zusammengestellt.
Auch einen CME-zertifizierten Weiterbildungsartikel finden Sie wieder in dieser Ausgabe, diesmal passend aus dem Lernpaket Laparoskopische Appendektomie.
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