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(c) iStock/Ridofranz

Bericht von der Herbstagung des BDC|Landesverbandes Berlin

Am 09.November 2016 fand im Langenbeck-Virchow-Haus die Herbsttagung des BDC-Landesverbandes Berlin statt. Das Thema der diesjährigen Herbsttagung „Chirurgische Karriere und Familie“ wurde vor allem im Rahmen einer Podiumsdiskussion von Chirurginnen und Chirurgen aus Klinik und Praxis intensiv diskutiert.

Zunächst erläuterte Frau Dr. Fritze-Büttner (Ltd. OÄ Sana Klinikum Lichtenberg) die bestehenden gesetzlichen Regelungen bezüglich des Mutterschutzes/der Elternzeit und stellte anschließend die Umfrage des BDC in Kooperation mit der DGAV sowie BVOU zum „Operieren in der Schwangerschaft – OPIDS“ sowie die aktuellen Zwischenergebnisse der Umfrage vor. Anschließend schilderte Frau Dr. Antje Koch (ÄK Berlin, Koordinierungsstelle Weiterbildung) die derzeitigen Möglichkeiten der Facharztweiterbildung u. a. in Teilzeit.

Als Teilnehmer der Podiumsdiskussion waren eingeladen:

  • Dr. Marc Jansen , FA für Viszeralchirurgie, Chefarzt – Helios Klinikum Emil von Behring
  • Antje Koch, FÄ für Allgemeinmedizin, Ärztekammer Berlin, Koordinierungsstelle Weiterbildung
  • Frauke Fritze-Büttner, FÄ für Viszeralchirurgie, Leitende Oberärztin – Sana Klinikum Lichtenberg
  • Corinna Langelotz, MBA, FÄ für Viszeralchirurgie, Oberärztin- Charité/Campus Mitte
  • Thomas Stoffels , FA für Orthopädie/Unfallchirurgie, Oberarzt Unfallkrankenhaus Berlin/MVZ
  • Natalie Pirkham, FÄ für Orthopädie/Unfallchirurgie, Assistenzärztin Unfallkrankenhaus Berlin Handchirurgie
  • Karen Hartwig, Fachärztin für Chirurgie, FÄ für Orthopädie und Unfallchirurgie, Angestellte Ärztin im MVZ Praxis Spreebogen

Einen Großteil der Diskussion mit dem Publikum nahm zunächst das Thema „Operieren in der Schwangerschaft“ ein, wobei es zwischen den Generationen zum Teil kontrovers diskutiert wurde. Die anwesenden Chirurginnen berichteten von ihren Erfahrungen bezüglich des Arbeitens in der Schwangerschaft. Es wurde u. a. die Frage aufgeworfen, ob das Mutterschutzgesetz in seiner bestehenden Form noch zeitgemäß ist, ob Änderungen notwendig seien und wie diese aussehen könnten. Die Ergebnisse der Umfrage „Operieren in der Schwangerschaft“ und das daraus resultierende Stimmungsbild werden dabei mit Spannung erwartet.

 

Weiterhin wurde in der Runde diskutiert, welche Schwierigkeiten auftreten können, wenn Vollzeit mit Familie gearbeitet wird. Diesbezüglich erklärte Prof. Jansen (Chefarzt im Helios-Klinikum Emil von Behring), dass in seiner Klinik Fach- und Oberärzte auch in Teilzeit tätig seien und dabei keine Einschränkungen auftreten würden. Frau Dr. Pirkham aus dem Unfallkrankenhaus Berlin schilderte Ihre Erfahrungen zum Teil angestellt in einer Klinik sowie parallel zum Teil in einer Praxis zu arbeiten. Grundsätzlich scheint jedoch Teilzeitarbeit in der Chirurgie derzeit noch eher eine Ausnahme zu sein.

Professor Jansen berichtete außerdem von einem chirurgischen Weiterbildungskurs, bei dem die Frage in die Runde geworfen wurde, wie viele der jungen Chirurginnen und Chirurgen an einer Karriere interessiert seien: Dazu war nur ein verschwindend geringer Anteil bereit. Das wirft die Frage auf, ob das an den derzeitigen Arbeitsbedingungen und der zum Teil schwierigen Vereinbarkeit von Beruf und Familie liegt und wie chirurgischer Nachwuchs für eine Karriere gewonnen werden kann. Vielfach scheint für die nachfolgende junge Generation an ChirurgInnen eine geregelte Arbeitszeit wichtiger zu sein als der Wunsch nach Karriere. Ebenso scheinen die derzeitigen Hierarchiemodelle häufig nicht mehr erwünscht.

Ein schriftlicher Kommentar nach der Veranstaltung kam von Herrn Kollegen Dr. Kuhlmann (FA für Chirurgie) aus der Schlossparkklinik, dessen Anmerkungen zum Thema folgendermaßen zusammengefasst werden können:

  • Je kleiner eine Abteilung ist, umso schwieriger scheint eine Teilzeitarbeit umsetzbar insbesondere dann wenn die betreffende Person fachspezialisiert arbeitet. Ein befristetes Job Sharing scheint dagegen selbst in kleineren Abteilungen gut realisierbar.
  • Auch Männer haben es heutzutage schwer vom Team anerkannt zu werden, wenn der Wunsch nach Kinderbetreuung und Elternzeit besteht.
  • Langfristigere Arbeitsverträge mit der Option der Integration von Kindererziehungszeiten könnten sicher eine gewisse Absicherung für den Einzelnen schaffen.
  • Obwohl bei elektiven Eingriffen nur eine sehr geringe Gefahr für Mutter und Kind zu bestehen scheint und die meisten Frauen in der Schwangerschaft auch gerne weiter operieren würden, regieren viele bzw. die meisten Betriebsärzte bei Schwangerschaft mit einem Beschäftigungsverbot. Etwas mehr Mitsprachemöglichkeit und Eigenverantwortung des Einzelnen wären hier wünschenswert

Fazit

Es finden sich vor allem in den Kliniken noch Strukturen, die eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie erschweren sowie einer chirurgischen Karriere mit Familie nicht förderlich sind. Um eine Karriere mit Familie insbesondere für Frauen zu erleichtern, gilt es künftig alternative und flexiblere Arbeitsmodelle zu entwickeln. Teilzeitmodelle ohne daraus resultierende Einschränkungen für den beruflichen Erfolg sollten gefördert werden und zeitgleich auch strukturelle Verbesserungen der Weiterbildung in den Kliniken vorgenommen werden.

Ein Überdenken der tradierten Hierarchiemodelle in der Chirurgie mit einem besseren Mitspracherecht aller am System Beteiligten und mit mehr Eigenverantwortung wäre genauso sinnvoll wie die Abschaffung der bisherigen starren Beschäftigungsverbote bei Schwangerschaft.

Die Chirurgie ist und bleibt ein spannendes Fach und sollte in Zukunft vor allem auch für die nächste Generation vielfältige Beschäftigungsmöglichkeiten bieten.

Lorenz R. / Klink I. BDC|Berlin: Chirurgische Karriere auch mit Familie? Passion Chirurgie. 2017 Februar, 7(02): Artikel 07_04.

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Autor des Artikels

Dr. med. Ralph Lorenz

1. Vorsitzender des BDC LV|BerlinVorstandsmitglied der Europäischen Herniengesellschaft (EHS); 2. Vorsitzender der Deutschen Herniengesellschaft (DHG)3+CHIRURGENKlosterstr. 34/3513581Berlin kontaktieren

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