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NRW-Chirurgen folgen Konzept der DGAV

Jahrestagung erstmals gemeinsam mit den Gastroenterologen unter einem Dach

Die 184. Jahrestagung der Vereinigung Niederrheinisch-Westfälischer Chirurgen, welche dieses Jahr stattfindet, ist etwas ganz besonderes. Und dies liegt nicht etwa daran, dass die Tagung besonders früh in diesem Jahr stattfindet. Schon vor zwei Jahren ist die Vereinigung Niederrheinisch-Westfälischer Chirurgen, eine der ältesten Regionalvereinigungen in Deutschland, neue Wege gegangen und hat begonnen, die Jahrestagung zeitgleich mit dem MIC Club West zu veranstalten. Nun ist die Vereinigung noch einen Schritt weiter gegangen und dem Vorbild der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) gefolgt. Dieses Mal wurden die Jahrestagungen der Vereinigung der Niederrheinisch-Westfälischen Chirurgen sowie der Gesellschaft für Gastroenterologie in Nordrhein-Westfalen nach Abstimmung über beide Vorstände zusammengeführt und damit das neue Format einer gemeinsamen Tagung als VIZERALMEDIZIN NRW etabliert. Dabei traf es sich gut, dass 2017 beide Tagungspräsidenten aus Köln kommen und so bereits exzellente Voraussetzungen gegeben waren. Aber vor allem inhaltlich gibt es gute Gründe, beide Jahrestagungen zeitgleich unter einem Dach und mit gemeinsamen Sitzungen stattfinden zu lassen.

In vielen Bereichen der klinischen Viszeralmedizin hat bereits eine zunehmende Verschmelzung der Kompetenzen und Therapiekonzepte stattgefunden, sodass heute bereits eine erfolgreiche Medizin ohne den jeweiligen Partner kaum mehr möglich erscheint. Zudem ist der Austausch über die Grenzen des eigenen Fachs in unserem „Organbereich“ gegenseitig befruchtend und wirkt synergistisch für die Entwicklung zukünftiger klinischer Strategien. Durch die Entwicklungen insbesondere auf dem Gebiet der Endoskopie verschwimmen die Grenzen zwischen den traditionell operativen und konservativen Fachgebieten und einer fachübergreifenden Ausbildung, einem Austausch der Erfahrungen und dem Verständnis für die Sicht des jeweils anderen wird immer wesentlicher.

Daher wurde die diesjährige Tagung der Viszeralmedizin NRW unter das Motto „Gastroenterologie und Viszeralchirurgie: miteinander tagen, einander verstehen, voneinander lernen“ gestellt.

Das Ziel ist, neben den aktuellen Themen in der Viszeralchirurgie und Gastroenterologie, besonders die interdisziplinären Themenbereiche darzustellen, die für Diskussionen sorgen und sich mit zunehmender Geschwindigkeit entwickeln. Dazu soll ein intensiviertes Programm sorgen, das innerhalb von nur zwei Tagen vor allem der Diskussion gewidmet sein soll.

In diesem Sinn wurden von Prof. Markus M. Heiss aus der Klinik für Viszeral, Gefäß- und Transplantationschirurgie des Krankenhaus Köln-Merheim und Prof. Tobias Goeser aus der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie der Universitätsklinik Köln Sitzungen mit chirurgischen, gastroenterologischen und interdisziplinären Schwerpunkten zusammengestellt. Chirurgische Schwerpunkte sind dabei die Endokrine Chirurgie, die Hernienchirurgie, die Proktologie, Innovationen in der Chirurgie, das Management intraoperativer Komplikationen sowie Therapiekonzepte bei fortgeschrittenen Tumorerkrankungen. Interdisziplinäre Sitzungen behandeln das Moderne therapeutische Splitting bei verschiedenen Erkrankungen, das Metabolische Syndrom, Interventionen und Operationen unter Antikoagulation sowie das interdisziplinäre Notfallmanagement. Ein weiteres Thema wurde aus aktuellem Anlass in das Programm aufgenommen: „Medizin nach terroristischen Anschlägen“ wird aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet.

Zudem hat Prof. Dr. Christoph A. Jacobi aus der Chirurgischen Klinik des Dreifaltigkeits-Krankenhaus Wesseling im Rahmen des MIC Club West zwei Sitzungen, die minimal-invasiven Verfahren in der Onkologie sowohl des oberen als auch des unteren Gastrointestinaltrakts betreffend, vorbereitet. Darüber hinaus wurde auch der Nachwuchs in die Planung des MIC Club West einbezogen und von jungen Kollegen in einer weiteren Sitzung die Vorstellung sowie Diskussion ausbildungsrelevanter Themen geplant. In einer zweiten Nachwuchs-Sitzung werden interdisziplinäre Themen gemeinsam mit den jungen Gastroenterologen behandelt.

Ein weiterer Schwerpunkt der Tagung wurde wie in den vergangenen Jahren bereits auf die Ausrichtung von Workshops insbesondere für den chirurgischen und gastroenterologischen Nachwuchs gelegt. So werden Workshops für Sonographie, Endoskopie, Laparoskopie und TAMIS vorbereitet. Dabei werden die Workshops für Sonographie und ein Basis-MIC-Workshop auch für Studierende angeboten, um den studentischen Nachwuchs frühzeitig für die Viszeralmedizin durch praktische Anleitungen zu begeistern.

Traditionell startet die Tagung jedoch mit eingereichten wissenschaftlichen Vorträgen und Beiträgen zu „Der interessante Fall“, bei dem vor allem der wissenschaftliche Nachwuchs die Möglichkeit haben wird, mit seinen Beiträgen einen Preis zu gewinnen. Darüber hinaus werden zahlreiche Poster, die aus fast 100 eingereichten Abstracts ausgesucht wurden, vorgestellt.

In das Programm der Tagung wurde zudem die jeweilige Mitgliederversammlung beider Regionalvereinigungen integriert.

Fester Bestandteil der Tagung ist ein gemütlicher gemeinsamer und interdisziplinärer Gesellschaftsabend, bei dem in angenehmer Atmosphäre der erste Tag einen unterhaltsamen Ausklang finden wird. Einen Blick über den viszeralmedizinischen Tellerrand hinaus wird Harald Schmidt wagen, der für einen besonderen Vortrag während der Tagung gewonnen werden konnte. Des Weiteren wird es noch weitere Höhepunkte auf der Tagung geben, die einen Besuch sicher lohnenswert machen.

Sie alle sind herzlich in die Stadthalle Köln-Mülheim am 08. und 09.06.2017 zur gemeinsamen Tagung der NRW-Chirurgen und der gastroenterologischen Kollegen eingeladen und wir hoffen auf gute Diskussionen und angenehme rheinische Begegnungen.

Bulian D. R. NRW-Chirurgen folgen Konzept der DGAV. Passion Chirurgie. 2017 Mai, 7(05): Artikel 09_01.

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Die Appendektomie 2011/2012 in Deutschland – Ergebnisse der bundesweiten Erhebung zur Technik der Appendektomie (BETA)

Die Appendektomie ist der häufigste Notfalleingriff in allgemein- und viszeralchirurgischen Kliniken jedweder Versorgungsstufe und wurde 2010 deutschlandweit mehr als 123.000 mal durchgeführt . Über 20 Jahre lang war dieser Eingriff verpflichtend von allen deutschen Krankenhäusern im Rahmen der Qualitätssicherung dokumentiert worden. Die Auswertung durch das BQS Institut für Qualität und Patientensicherheit zielte dabei auf eine Qualitätssicherung durch eine möglichst häufige histologische Bestätigung der klinischen Verdachtsdiagnose „Akute Appendizitis“, eine histologische Untersuchung bei allen Appendektomien, eine möglichst kurze präoperative Verweildauer bei histologisch nachgewiesener Perforation, seltene postoperative Wundinfektionen sowie seltene allgemeine behandlungsbedürftige postoperative Komplikationen. Nach konstant hoher Datenqualität wurde diese Qualitätssicherung jedoch im Jahre 2004 eingestellt. Seither existiert keine weitere, diesen häufigen Eingriff betreffende bundesweite Datenerhebung mehr.

Laparoskopische Appendektomie sinnvoll?

Nach erstmaliger Durchführung der Appendektomie in laparoskopischer Technik im Jahr 1980 durch Semm und Einführung auch in die chirurgischen Kliniken war dieses Verfahren zunächst in seiner Wertigkeit gegenüber der konventionellen Technik sehr umstritten, fand in Deutschland dennoch zunehmende Verwendung. Wie die letzte durchgeführte Qualitätssicherung der BQS zeigen konnte, wurden 2003 ca. 40 Prozent der Appendektomien in Deutschland laparoskopisch durchgeführt . Ob sich jedoch die laparoskopische Operationstechnik wie bei der Cholezystektomie flächenhaft gegenüber dem konventionellen Zugang durchgesetzt hat oder gar wieder seltener eingesetzt wird, konnte aufgrund einer fehlenden bundesweiten Datenerhebung bislang nicht geklärt werden.

Nach langen Diskussionen über die Vor- und Nachteile des laparoskopischen Vorgehens als optimaler Zugangstechnik bei der Appendektomie, wurden in den letzten zehn Jahren mehrere Metaanalysen sowie Cochraneanalysen zu der Wertigkeit des laparoskopischen gegenüber dem konventionellen Verfahren, aber auch zu unterschiedlichen technischen Details publiziert. Als Vorteile des laparoskopischen Vorgehens zeigten sich dabei die geringere Wundinfektionsrate, die geringeren Schmerzen am ersten postoperativen Tag, der kürzere Krankenhausaufenthalt, der raschere Kostaufbau, die frühere Defäkation, das bessere ästhetische Ergebnis und die raschere Rückkehr zur normalen Aktivität nach der Operation. Dagegen waren die intraabdominelle Abszessrate, die Schnitt-Nahtzeit und die krankenhausbezogenen Kosten bei der laparoskopischen Operation erhöht. Dabei hängen letztere jedoch in erster Linie von der Wahl des Chirurgen hinsichtlich Trokarmodell, Art der Mesoappendixdurchtrennung und Versorgung des Appendixstumpfes ab, so dass der Chirurg bzw. die Klinik hierauf großen Einfluss nehmen kann. Da neben jungen und übergewichtigen, besonders weibliche Patienten von dem laparoskopischen Vorgehen profitieren, kann auch ein patientengeschlechtsabhängiges Vorgehen mit laparoskopischem Vorgehen bei weiblichen und konventionellem Vorgehen bei männlichen Patienten zur Kostenreduktion vertreten werden. Auch der Aspekt der Appendektomie als konventioneller oder laparoskopischer Ausbildungseingriff und die in einigen Kliniken im Bereitschaftsdienst eingeschränkte Möglichkeit, minimal invasiv vorzugehen, kann Einfluss auf die konzeptionelle Vorgehensweise in deutschen Kliniken haben.

Während die European Association for Endoscopic Surgery (EAES) aufgrund der Datenlage schon 2006, die Society of American Gastrointestinal and Endoscopic Surgeons (SAGES) 2010 in ihren Leitlinien das minimalinvasive Vorgehen im Rahmen der Appendektomie empfohlen haben , ist über die Durchdringung bzw. Umsetzung der evidence based Ergebnisse der genannten Publikationen in Deutchland jedoch kaum etwas bekannt.

(Peri-)Operationstechnische Detailfragen nur zum Teil wissenschaftlich geklärt

Hinsichtlich der perioperativen Antibiotikaprophylaxe und -therapie zeigte ein Cochrane-Review, dass die systemische Antibiotikagabe die Raten an Wundinfektionen und intraabdominellen Abszessen sowie die Krankenhausverweildauer gegenüber Placebo signifikant reduziert. Allerdings geben auch zwei große retrospektive Datenanalysen Hinweise darauf, dass die postoperative Antibiotikatherapie bei unkomplizierter Appendizitis keinen Benefit bringt, sondern nachteilig ist . Umstritten sind dagegen weiterhin die Verwendung der Veress-Nadel, die Notwendigkeit und Menge einer Spülung des Operationssitus, die Art des Wundverschlusses, die Versorgung der Mesoappendix und die Art der laparoskopischen Appendixstumpfversorgung, auch wenn Vorteile des Staplerverschlusses in einigen Studien gezeigt werden konnten . Auch die Drainageneinlage wird noch kontrovers diskutiert, obwohl hier gute Daten vorliegen, die bei Drainagenanlage häufiger Wundheilungsstörungen, intraabdominelle Abszesse und Stuhlfisteln zeigen und somit gegen die routinemäßige Verwendung einer Drainage sprechen .

Mehrere neue Operationstechniken entwickelt

Darüber hinaus sind in den letzten Jahren auch bei der Appendektomie neue Operationsverfahren wie die Single-Port-Technik und Eingriffe über natürliche Körperöffnungen (NOTES) entwickelt worden, deren Verbreitung in den deutschen Kliniken aber ebenfalls bislang unklar war. Die Single-Port-Technik soll durch das alleinige Einbringen der laparoskopischen Instrumente über einen in der Nabelgrube eingebrachten sogenannten Multiport sichtbare Narben verhindern. Dabei wurde die Appendektomie schon 1989 vom französischen Chirurgen Georges Begin im Rahmen der transumbilicalen laparoskopisch assistierten Appendektomie (TULAA) mit einem alleinigen umbilicalen Zugang durchgeführt , was schon das Konzept der heutigen Single-Port-Technik vorweggenommen hat. Dem offensichtlichen Vorteil der nicht sichtbaren Narben könnte jedoch durch den technikimmanent größeren umbilicalen Zugang eine höhere Trokarhernienrate gegenüberstehen. Zudem ist die ansonsten gewohnte Triangulation bei einem Single-Port-Zugang erschwert, zumindest anfangs gewöhnungsbedürftig. Prospektiv randomisierte Studien zu diesem Thema stehen allerdings noch aus. Im Sinne von NOTES (Natural Orifice Transluminal Endoscopic Surgery) ist die Appendektomie bereits als Hybrid-Eingriff transvaginal/transumbilical mit starrem Instrumentarium ähnlich der Cholezystektomie von Prof. Zornig aus Hamburg und transvaginal sowie transgastral flexibel mittels Endoskop durchgeführt worden . Vor allem bei letzteren ist der Umgang mit dem flexiblen Endoskop für viele Chirurgen eher ungewohnt. Als alternatives Verfahren zu den neuen atraumatischeren und narbenärmeren bzw. narbenlosen Techniken hat die Verwendung von laparoskopischen Miniinstrumenten mit Trokaren von 2 bis 3,5 mm Durchmesser eine gewisse Renaissance erfahren, um das operative Zugangstrauma auf diesem Wege weiter zu reduzieren. Allerdings steht der Nachweis einer Reduzierung der postoperativen Schmerzen bzw. des Schmerzmittelbedarfs bei der Appendektomie hierdurch bislang aus.

Vorgehen bei intraoperativ blander Appendix?

Eine weitere, immer wieder kontrovers diskutierte Frage ist das Vorgehen bei Verdacht auf akute Appendizitis und intraoperativ blandem Appendixbefund. Diese Situation muss unterteilt werden in den Fall einer anderweitigen, die Klinik und Befunde des Patienten erklärenden Pathologie und den Fall, dass der gesamte einsehbare abdominelle Befund unauffällig ist. Sollte die Appendix abhängig oder auch unabhängig eines anderweitigen pathologischen Befundes simultan entfernt werden? Auch hier existieren Daten, die die Appendektomie zumindest bei Fehlen einer anderweitigen Pathologie aufgrund der hohen Rate an histologisch belegten Appendizitiden trotz makroskopisch blandem Aussehen in 26-58 Prozent der Fälle nahelegen . Dagegen spricht wiederum die niedrige Rate an sekundären Appendektomien aufgrund einer dann doch evidenten akuten Appendizitis bei primärem Belassen der makroskopisch blanden Appendix . Beim konventionellen Zugang gilt seit jeher die typische Narbe im rechten Unterbauch als sicheres Zeichen der stattgehabten Appendektomie, so dass hierbei das Belassen der Appendix traditionell eher die Ausnahme darstellt. Schon die Qualitätssicherung des BQS konnte allerdings keine Aussage über das Vorgehen bei intraoperativ blander Appendix in deutschen Kliniken treffen, da hier nur durchgeführte Appendektomien dokumentiert wurden. Über die Versorgungsrealität in den deutschen Kliniken hinsichtlich dieses unterschiedlichen Vorgehens bestand daher immer schon Unklarheit.

Ergebnisse unserer bundesweiten Umfrage

Aufgrund der über die Jahre erhärteten „evidence-based“ Empfehlung der laparoskopischen Appendektomie, aber auch der teilweise weiterhin unklaren Datenlage von technischen Details wollten wir wissen, wie das operative Konzept bei diesem häufigen Eingriff aktuell in deutschen Kliniken ist. Aus diesem Grund führten wir eine bundesweite Unfrage an 1870 Kliniken durch, deren Chefärzte wir mit Hilfe des BDC und unter der Schirmherrschaft der DGAV sowie der CAMIC per E-Mail kontaktierten und baten, einen ausführlichen Fragebogen internetbasiert zu beantworten. Die inzwischen im International Journal of Colorectal Disease publizierten Ergebnisse dieser Umfrage zeigen vor allem die Penetranz der laparoskopischen Operationstechnik . Von den 643 auswertbaren Datensätzen (Abb. 1) gaben nahezu alle Kliniken an, die Appendektomie in laparoskopischer Technik anzubieten (Abb. 2). Daneben führten 99 Kliniken die sogenannte Single-Port-, nur 14 Kliniken die (Hybrid-)NOTES-Appendektomie durch. Über 85 Prozent der Kliniken gaben für männliche Patienten die laparoskopische Technik als Standardvorgehen an, während dies für weibliche Patienten sogar in fast neun von zehn Kliniken der Fall war. Das Standardvorgehen fast aller anderen Kliniken war hingegen die konventionelle Technik. Somit bleibt festzuhalten, dass sich die laparoskopische Operationstechnik bei der Appendektomie, möglicherweise gestützt auf die vorliegenden Studienergebnisse, nach unserer Umfrage deutschlandweit durchgesetzt hat, die neuen Techniken jedoch noch nicht sehr weit verbreitet sind. Über die Gründe hierfür kann man derzeit nur spekulieren.

Abb. 1: Bundesweite Verteilung der antwortenden Kliniken [20], mit freundlicher Genehmigung von Springer Science+Business Media

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Abb. 2: Verteilung der angebotenen OP-Techniken

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Die Technik der konventionellen Appendektomie hat sich in den letzten Jahren offensichtlich kaum gewandelt. Appendix und Mesoappendix werden fast überall unter Ligaturen abgesetzt. Bei der laparoskopischen Operation wird trotz in der Vergangenheit teils vehement geführter Diskussionen auch aktuell in der Hälfte der Eingriffe die Veress-Nadel verwendet. Die Appendix wird laparoskopisch in zwei Drittel der Fälle inzwischen mit dem Endo-GIA abgesetzt, gefolgt von Endoloop und Klipp, während die Versorgung der Mesoappendix in fast der Hälfte der Fälle mittels bipolarer Koagulation, gefolgt von Klipps, Endo-GIA und monopolarer Koagulation, durchgeführt wird. Es fand sich eine signifikante Korrelation zwischen der Eingriffshäufigkeit sowie Krankenhausträgerschaft und der Verwendung des Endo-GIA, wobei einerseits bei großer Eingriffszahl, andererseits bei privater Trägerschaft die routinemäßige Verwendung eines Endo-GIA am häufigsten angegeben wurde. Unabhängig von der Zugangstechnik wird der Operationssitus in fast der Hälfte der Kliniken gespült. Drainagen werden in den meisten Kliniken befundabhängig eingelegt, wobei laparoskopisch gut ein Drittel der Befragten den Situs selten oder nie drainieren. Der Hautverschluss erfolgt in beiden Standardtechniken meist intrakutan mit resorbierbarem Nahtmaterial, dicht gefolgt von Einzelknopfnähten. Dabei korreliert die Verwendung von resorbierbarem Nahtmaterial, unabhängig vom Zugang, signifikant positiv mit der Eingriffshäufigkeit sowie der Versorgungsstufe der Klinik. In den meisten Kliniken wird entweder eine Antibiotikaprophylaxe oder befundabhängig eine Antibiotikatherapie durchgeführt, ohne dass sich Unterschiede zwischen der konventionellen und der laparoskopischen Appendektomie zeigen.

Beim konventionellen Zugang im Falle des Appendizitis-Verdachts wird die makroskopisch blande Appendix bei anderweitigem pathologischen Befund in fast zwei Drittel, bei Fehlen eines anderweitigen Befundes in mehr als 90 Prozent „en principe“ entfernt (Abb. 3 a+b). Beim laparoskopischen Zugang sind die Raten nur geringfügig niedriger (Abb. 3 c+d), sodass von einer hohen Verbreitung dieses Vorgehens unabhängig von der Zugangstechnik ausgegangen werden kann.

Abb. 3a: Vorgehen konventionell mit anderem pathol. Befund

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Abb. 3b: Vorgehen konventionell ohne anderen pathol. Befund

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Abb. 3c: Vorgehen laparoskopisch mit anderem pathol. Befund

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Abb. 3d: Vorgehen laparoskopisch ohne anderen pathol. Befund

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Zusammenfassung

Zusammengefasst kann von einer hohen Durchdringung der „evidence-based“ Empfehlungen hinsichtlich der Appendekomie in deutschen Kliniken gesprochen werden. Auch wenn eine vergleichsweise hohe Antwortquote erreicht wurde, kann bei der Interpretation der Analyse sicherlich ein Bias in jedweder Richtung vorliegen. Auch wurden keine realen Daten ausgewertet, sondern das Standardvorgehen in den einzelnen Kliniken abgefragt. Dadurch, dass mehrere Antworten aus der gleichen Klinik ausgeschlossen wurden und die Anfrage an die Chefärzte gerichtet war, spiegelt die Umfrage jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit das in den einzelnen Häusern geübte Vorgehen wieder. Allerdings blieb unter anderem die große Thematik der präoperativen Diagnostik in der durchgeführten Umfrage unberücksichtigt.

Wir möchten uns bei allen Kollegen bedanken, die mit der Beantwortung des Fragebogens unsere Auswertung erst ermöglicht haben, aber auch bei den vielen Kollegen, die den Fragebogen durch konstruktive Kritik ergänzt haben. Dabei waren sehr viele positive Rückmeldungen, die die Durchführung der Erhebung begrüßten und großes Interesse an den Ergebnissen äußerten. Wir hoffen, diese Kollegen auf diesem Weg ausreichend informiert zu haben. Für weitergehende Details sei auf die Originalpublikation verwiesen. Über weitergehende Hinweise für eine mögliche Wiederholung der Umfrage würden wir uns zudem sehr freuen.

Literatur

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[20] Bulian DC, et al. (2013) Appendectomy in Germany—an analysis of a nationwide survey 2011/2012, Int J Colorectal Dis, 28:127–138

Bulian D. / Knuth J. / Heiss M. / Ansorg J. Die Appendektomie 2011/2012 in Deutschland. Passion Chirurgie. 2013 April, 3(04): Artikel 02_01.

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Editorial: Appendektomie in Deutschland – Standard und Neues

Liebe Leserinnen und Leser,

„Warum ein Titelthema über die Appendektomie?“ mag sich der ein oder andere von Ihnen sicher fragen. Die Appendektomie ist ein Eingriff mit langer Tradition und hat aufgrund seiner Häufigkeit eine herausragende Bedeutung für Patienten, Chirurgen und die chirurgische Aus- und Weiterbildung. Einerseits ist die Appendektomie mit jährlich über 120.000 Operationen der häufigste Notfalleingriff in der Chirurgie überhaupt und betrifft somit eine große Anzahl an Patienten, andererseits wird er in Kliniken aller Versorgungsstufen durchgeführt und muss flächendeckend jederzeit („24/7“) erfolgen können. Dies erfordert eine frühzeitige Implementierung in die chirurgische Aus- und Weiterbildung.

Die Appendektomie erfolgte lange Zeit in hoher Qualität in offener Technik, bis der Gynäkologe Kurt Semm 1983 den Eingriff erstmals laparoskopisch durchführte. Danach entbrannte eine lebhaft geführte Diskussion über die Wertigkeit der neuen, für die meisten Chirurgen ungewohnten Technik, bis sich die laparoskopische Appendektomie flächendeckend durchzusetzen schien. Darauf wiesen auch die durch das BQS-Institut für Qualität und Patientensicherheit bis 2003 durchgeführten Erhebungen mit einem Anteil von zuletzt ca. 40 Prozent hin. Gerade aufgrund der hohen Ergebnisqualität wurde die Auswertung dieses relevanten Eingriffs jedoch eingestellt, sodass seither keine sichere Aussage über die weitere Entwicklung der unterschiedlichen Techniken gemacht werden konnte. Inzwischen wurden zahlreiche Studien, unterschiedlichste Aspekte der Appendektomie betreffend, publiziert, sodass die „evidence-based“ Empfehlungen, qualitativ immer hochwertiger sind. Über die Umsetzung der Empfehlungen, auch der internationalen Fachgesellschaften, existierte jedoch in den vergangenen Jahren ein Erkenntnis-„gap“. Hier gibt der Artikel über die Umfrage an deutschen Kliniken Aufschluss über die derzeitige bundesweite Verbreitung der Operationstechniken und dem Standardvorgehen bei der konventionellen und laparoskopischen Appendektomie mit interessanten Ergebnissen. Auch zur kontrovers diskutierten Frage, ob eine intraoperativ makroskopisch unauffällige Appendix bei der Operation aufgrund primärem Verdacht auf eine akute Appendizitis entfernt werden soll, gibt die Umfrage ein bundesweites Stimmungsbild wieder. Viele Teilnehmer der Umfrage baten um Mitteilung der Ergebnisse und wir sind nun glücklich, diesem Wunsch hiermit nachkommen zu können.

Aber nicht nur aufgrund seiner langen Tradition, auch aufgrund inzwischen in die Klinik eingeführter Neuerungen bei der technischen Durchführung sowie beim Zugang zur entzündeten Appendix, ist eine erneute intensive Beschäftigung mit dem Thema Appendektomie von großer Wichtigkeit. Mit dem im Rahmen des Eingriffs entscheidenden Schritt, der Versorgung des Appendixstumpfes, beschäftigen sich daher die Kollegen Partecke und Diedrich aus Greifswald in ihrem Artikel und geben eine aktuelle Übersicht über die derzeit üblichen Techniken. Dabei wird auch die Wertigkeit der zunehmend verwendeten Clipversorgung beleuchtet. Stolz sind wir zudem, diesen Beitrag ganz im oben genannten Sinne der eminent wichtigen Fort- und Weiterbildung als CME- Artikel präsentieren zu können. Im bewusst sehr technisch gestalteten Artikel über die neuen NOTES-Verfahren hingegen, stellen u. a. die Kollegen Kähler aus Mannheim und Bernhardt aus Rostock ganz unterschiedliche Zugangswege zur Appendix im Rahmen der Appendektomie vor, die zunächst befremdlich anmuten mögen, auf den zweiten Blick aber durchaus einen Benefit über den rein ästhetischen Aspekt hinaus für die Patienten versprechen.

Der Kollege Sauerland aus Köln referiert und kommentiert für Sie aktuelle Publikationen, die sich mit der Diagnostik und der konservativen Behandlung der Appendizitis beschäftigen sowie das Risiko einer verzögerten Durchführung der Appendektomie eruieren. Die Verzögerung der Durchführung einer Appendektomie nach Diagnosestellung ist andererseits auch Gegenstand juristischer Auseinandersetzungen, weswegen ich glücklich bin, dass wir einen Artikel unseres Justitiars Dr. Heberer zu der aktuellen Rechtssprechung präsentieren können.

Mein besonderer Dank gilt allen Autoren für die Erstellung und Bearbeitung der meines Erachtens sehr gelungenen und lesenswerten Beiträge, die die Qualität dieser Ausgabe von Passion Chirurgie ausmachen.

Ich hoffe, Sie neugierig auf die kommenden Artikel gemacht zu haben und wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen dieser Ausgabe „Passion Chirurgie“. Vielleicht entdecken Sie dabei einen interessanten neuen Aspekt dieses traditionsreichen Eingriffs.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen,

Ihr Dirk Bulian

Bulian D. Appendektomie in Deutschland. Passion Chirurgie. 2013 April, 3(04): Artikel 01

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