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Gute ärztliche Weiterbildung stellt zunehmend ein wesentliches Element im Wettbewerb um weiterzubildende Ärzte dar. Die Ärztekammer Niedersachsen nimmt in der Weiterbildung der Assistenzärzte an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) eine zentrale Rolle ein. So ermächtigt sie die Ärzte zur Weiterbildung und erteilt den Weiterbildungsstätten die Zulassung. Darüber hinaus prüft sie die regelgerechte Absolvierung der Weiterbildung, organisiert die Prüfung nach Abschluss und bestätigt die Anerkennung durch eine Urkunde. Doch wer setzt die Weiterbildungsordnung der Ärztekammer um? Führt Weiterbildungsveranstaltungen in Theorie und Praxis durch? Wer strukturiert und koordiniert die Weiterbildung der jungen Ärzte? Diese Verantwortung liegt bei den Weiterbildungsstätten. Jedoch leidet die Qualität der Weiterbildung in zahlreichen Einrichtungen erheblich. Ein wesentlicher Grund hierfür ist die fehlende Finanzierung sowie der allgemeine Nachwuchsmangel an den deutschen Krankenhäusern. Aus der hohen Arbeitsbelastung des Einzelnen resultiert die Vernachlässigung der medizinischen Weiterbildung. Dies bleibt auch angehenden Medizinern nicht verborgen. Immer mehr Studienabgänger entscheiden sich daher gegen eine Karriere im Krankenhaus.

Die Weiterbildung der angehenden Fachärzte entwickelt sich mehr denn je zu einer zentralen Aufgabe der Universitätskliniken. Um den Ärztinnen und Ärzten der MHH die Möglichkeit einer strukturierten, organisierten und zentrumsübergreifenden Weiterbildung zu ermöglichen, wurde 2014 eine neue Weiterbildungsstruktur etabliert, die auch in Zukunft eine optimale Weiterbildung der Assistenzärzte gewährleisten soll.

Am 01. Juli 2014 wurde die MHH-Weiterbildungsakademie von Prof. Dr. Axel Haverich, Direktor der Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie (HTTG) der Medizinischen Hochschule Hannover ins Leben gerufen. Dank einer großzügigen finanziellen Unterstützung von der „Gesellschaft der Freunde der Medizinischen Hochschule Hannover e.V.“ wurde die Gründung der Akademie ermöglicht. Zunächst richtete sich das Pilotprojekt ausschließlich an das Zentrum Chirurgie. Hier wurden in wöchentlich stattfindenden Weiterbildungsveranstaltungen Chirurgische Themen wie beispielsweise die Instrumentenkunde, die chirurgische Aufklärung oder das Legen von Drainagen gelehrt.

Nach erfolgreicher Etablierung zeigten nach kurzer Zeit auch andere Abteilungen der MHH Interesse an einem bereichsübergreifenden Weiterbildungsprogramm für Assistenzärzte.

Zusammen mit den jeweiligen Abteilungsleitern und Weiterbildungsermächtigten der Abteilungen für Innere Medizin, Anästhesiologie sowie Chirurgie erstellten wir im Januar 2015 ein interdisziplinäres Curriculum. Dadurch haben alle Assistenzärzte der MHH die Möglichkeit, an einem umfangreichen und strukturierten Weiterbildungsprogramm teilzunehmen.

Mittlerweile besuchen nicht nur die Assistenzärzte, sondern auch Fach- und Oberärzte regelmäßig die Veranstaltungen der Weiterbildungsakademie.

Das Curriculum bietet eine Kombination aus theoretischen und praktischen Weiterbildungsveranstaltungen. Hier werden vor allem Themen behandelt, die jeden Assistenz- und Facharzt im Rahmen seiner täglichen Arbeit interessieren. Themen wie Reanimation oder Sonographie werden sowohl theoretisch wie auch praktisch vermittelt. Einige der Themen werden kombiniert angeboten (Reanimation: 1. Veranstaltung = 60 Minuten Theorie plus 2. Veranstaltung = drei Stunden Praxis). Naht und Knotentechniken werden ebenfalls mit praktischen Übungen kombiniert. Das Legen von zentralen Zugängen oder Thoraxdrainagen sowie die mediane und laterale Sterno- bzw. Thorakotomie können nach kurzer Wiederholung der Anatomie an der Leiche nachvollzogen werden. Zusätzlich bieten wir eine Reihe von klinikspezifischen Fachseminaren, strukturierte Rotationen, ein Vet-Lab sowie ein Mentorenkonzept für neue Mitarbeiter an. Auch der Bereich E-Education wird als Weiterbildungsinstrument in Form einer passwortgeschützten Datenbank berücksichtigt.

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Neben den praktisch geprägten Themen werden auch allgemeine Themen wie Präsentationstechniken, der Umgang mit Patienten und Angehörigen, das Erstellen eines Totenscheins und das Schreiben eines Arztbriefes den Assistenzärzten angeboten.

Prof. Haverich betonte in seiner Ansprache bei der Auftaktveranstaltung die Wichtigkeit der Interdisziplinarität. Der Austausch unter den Mitarbeitern der verschiedenen Kliniken ist für das spätere Berufsleben von sehr großer Bedeutung. In den Veranstaltungen der Weiterbildungsakademie lernen sich die Assistenzärzte aus den verschiedenen Disziplinen kennen und haben so im Falle von bereichsübergreifenden Patientenfällen einen „bekannten“ Ansprechpartner. Dies ist für die optimale Patientenversorgung wichtig und für die jungen Ärzte eine erhebliche Erleichterung im Berufsalltag.

Mit der Gründung der MHH-Weiterbildungsakademie wird den Assistenzärzten eine qualitativ hochwertige und umfangreiche Weiterbildung ermöglicht. Eine zentrale Koordination gewährleistet die durchgehende Unterstützung und Schulung der Ärzte auf ihrem Weg zum Facharzt.

Eines der nächsten Ziele soll es sein, die Position eines Weiterbildungsdekans in der MHH zu etablieren. Noch in diesem Jahr soll erstmalig dieses Amt in der Medizinischen Hochschule Hannover eingerichtet werden.

Haverich A. / Jahr N. / Schrader H. Ärztliche Weiterbildung an der Medizinischen Hochschule Hannover. Passion Chirurgie. 2015 August, 5(08): Artikel 02_06.

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Autoren des Artikels

Dr. med. Nicole Jahr

Funktionsoberärztin IntensivstationKlinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und GefäßchirurgieMedizinische Hochschule Hannover

Prof. Dr. Dr. h.c. Axel Haverich

Ärztlicher DirektorMedizinische Hochschule HannoverKlinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und GefäßchirurgieCarl-Neuberg-Straße 130625Hannover

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