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Trotz hoher Belastung arbeiten niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten gern in ihrem Beruf. Mehr als 90 Prozent sind zufrieden mit ihrer Tätigkeit, fast jeder Dritte fühlt sich allerdings „ausgebrannt“. Das ergab der Ärztemonitor 2016, den KBV und NAV-Virchow-Bund heute Journalisten vorstellten.

„Es ist bemerkenswert, dass die Zufriedenheitswerte mit der eigenen Arbeit seit der ersten Befragung im Jahr 2012 unverändert hoch ausgefallen sind“, betonte KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen. Das zeige, dass die ärztliche und psychotherapeutische Arbeit mit den Patienten sehr motiviere. Gassen sieht darin auch eine Stärke des KV-Systems, dem es gelänge, so manche gesetzliche Vorgabe abzumildern.

Der Ärztemonitor gilt mit rund 11.000 Teilnehmern als die größte Befragung von niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten in Deutschland. Er wird alle zwei Jahre im Auftrag von KBV und NAV-Virchow-Bund durchgeführt.

Fachärzte sind unzufriedener

Rund 95 Prozent der Haus- und Fachärzte sowie 98 Prozent der Psychotherapeuten in Deutschland gaben an, Spaß an ihrem Beruf zu haben. 86 Prozent würden den Beruf heute wieder ergreifen. Zwei von drei Ärzten sind zufrieden mit ihrem monatlichen Einkommen. Ungefähr genauso viele schätzen die wirtschaftliche Situation ihrer Praxis positiv ein.

Dennoch gibt es aus Sicht des Bundesvorsitzenden des NAV-Virchow-Bundes Dr. Dirk Heinrich Grund zur Sorge: „Der Anstieg bei den Zufriedenheitswerten verläuft nicht für alle Fachgruppen gleich. Während die Hausärzte seit 2012 ein erfreuliches Plus verzeichnen konnten, halten insbesondere die grundversorgenden Fachärzte bei dieser Entwicklung nicht Schritt.“ Drei Viertel der Hausärzte sähen keine wirtschaftlichen Probleme, bei den Fachärzten seien es nur 63 Prozent, betonte Heinrich. Diese Kluft sei seit 2012 kontinuierlich größer geworden.

Jeder Dritte fühlt sich „ausgebrannt“

Zu den „kritischen Brennpunkten“ zählen laut Gassen die Schwierigkeiten bei der Nachfolgersuche (70 Prozent) und der Mangel an Zeit für den Patienten (56 Prozent). Hinzu komme die Belastung durch Bürokratie, die in vielen Praxen einen ganzen Arbeitstag an Zeit koste. Bei einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 52,2 Stunden und 44,6 Patienten am Tag fühlten sich zudem rund 30 Prozent der Mediziner durch ihre Arbeit „ausgebrannt“.

Insgesamt zufriedener als Ärzte sind Psychotherapeuten, insbesondere mit ihrem Beruf. So gaben alle Befragten an, ihre Arbeit als nützlich zu erachten. Anders sieht es beim Finanziellen aus – gerade einmal die Hälfte bewertet ihre wirtschaftliche Situation positiv. Rund 37 Prozent der Befragten gaben an, erschöpft zu sein. Dafür haben Psychotherapeuten weniger Probleme, einen Praxisnachfolger zu finden. Nur knapp 30 Prozent derjenigen, die auf Nachfolgersuche sind, empfinden diese als schwierig. Bei den Ärzten sind es 70 Prozent.

Telemedizin gewinnt an Bedeutung

Der Ärztemonitor 2016 umfasst darüber hinaus Aussagen zu Themen wie die Weiterbildung von Ärzten in der eigenen Praxis und die Mitarbeit in Praxisnetzen. Befragt wurden die Teilnehmer auch zur Telemedizin. Zwei Drittel der Vertragsärzte gab an, dass Telemedizin in den nächsten fünf Jahren zum Praxisalltag gehören wird. Aktuell nutzen zwölf Prozent telemedizinische Anwendungen.

Ärztemonitor 2012 und 2014

Die ersten beiden Befragungen fanden 2012 und 2014 statt. Der Vergleich der Ergebnisse ermöglicht es, sowohl stabile Muster zu erkennen als auch Entwicklungen aufzuzeigen. Die Teilnehmer der Befragung werden jeweils per Zufallsprinzip ausgewählt. Die Interviews erfolgen telefonisch.

Kassenärztliche Bundesvereinigung, Herbert-Lewin-Platz 2, 10623 Berlin, http://www.kbv.de, 20.10.2016

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