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Wenn sich fußerfahrene Radiologen und Kliniker zusammentun, um ein Lehrbuch zu schreiben, erweckt das bei allen Fußtherapeuten große Neugierde, weil es so etwas in deutscher Sprache bisher nicht gibt. Das Maß der Dinge auf diesem Sektor war bisher „der Stoller“ in englischer Sprache.

Und: Die Fragestellung des Fußtherapeuten ist in den letzten Jahren auch anspruchsvoller geworden. Er versucht vielerorts, mit „seinem“ Radiologen ein diagnostisches Team zu bilden und ihm das Ergebnis der klinischen Untersuchung und der daraus erwachsenden Fragestellung mitzuteilen, damit dieser mit hohem technischen und anatomischem Wissen eine Bildgebung realisiert, die den Weg zur Therapie sichert.

Eine MRT-Überweisung mit der Frage „z. B. Fuß“ führt in die (teure) Leere und ist „out“. Der Radiologe kann nur so gut sein wie die präzise Fragestellung des Klinikers ihn leitet. Andererseits sind wir Fußtherapeuten, vor allen Dingen die operierenden, dazu verpflichtet, die MRT-Bilder unserer Patienten selbst zu lesen und radiologische Befunde zu hinterfragen, bevor wir Operationskonzepte festlegen.

Unter diesen Prämissen schlägt der neugierige Leser nun das Buch auf. Und um es gleich zu Anfang zu sagen: Die radiologischen Bilder von Herrn Stäbler sind wie immer hervorragend und lassen keine Wünsche offen.

Der Inhalt der einzelnen Kapitel wird allerdings zum Teil auf recht laienhaftem Niveau, dann aber wieder hochkomplex nur für Insider präsentiert. Für welchen Leserkreis das Buch gedacht ist, bleibt bei der Durchsicht unklar. Soll der Einsteiger in die Fußchirurgie oder der Radiologe angesprochen werden, der etwas über die klinische Untersuchung lernen möchte? Warum so viel unvollständige Klinik in einem Buch über bildgebende Diagnostik?

Das Kapitel „Klinische Untersuchung“ zeigt Vieles, aber eben doch nicht alles auf. Gerade die speziellen Fragestellungen, die einer Hilfe durch den Radiologen bedürfen, sind wenig komplett dargestellt. Insbesondere fehlen die wichtigen klinischen Tests, um eine flexible von einer rigiden Fehlstellung zu unterscheiden, einer für die Therapie entscheidenden Frage.

Im weiteren liest sich z. B.: „Beim Spring-Ligament handelt es sich um eine Läsion der Bandverbindung….“ .Und ein Subtalargelenk gibt es in der deutschen Terminologie auch (noch) nicht.

Überhaupt finden sich die Rückfuß-Gelenke im Kapitel „Mittelfuß“. Die Einteilung des Skelettsystems in Vor-, Mittel- und Rückfuß ist die reine Übersetzung der anglo-amerikanischen Nomenklatur, die nicht der deutschen entspricht.

Die häufig übersehene Ruptur der Tibialis-anterior-Sehne mit ihren klinischen Zeichen bleibt unerwähnt und ihre Funktion ist sehr vereinfacht dargestellt.

Die oft in die Irre führende Pathologie der akzessorischen Knochen am Os naviculare ist zugunsten klinischer Tipps, die ja eigentlich in einem Buch über die Bildgebung nichts verloren haben, vernachlässigt.

Das MRT der aktivierten TN-Arthrose lässt eine (unerwähnte) NC-Coalitio vermuten, nicht selten die Ursache für die isolierte TN-Arthrose.

Das heikle Thema der Nomenklatur der Kleinzehenfehlstellung wird immer heikel bleiben, wenn ein Lehrbuch aus 2012 regelrecht falsche Definitionen benutzt.

Auch die Sesambein-Thematik wäre ohne die volkstümliche Darstellung des klinischen Bildes allein mit den hervorragenden radiologischen Bildern besser aufgestellt.

Und zu guter Letzt: Die Definition des so seltenen Os Vesalianum ist nicht korrekt, auch die Abbildung zeigt eher keinen solchen akzessorischen Knochen.

Viele Dinge also, die ja nur Ungenauigkeiten einer ersten Auflage zuzuschreiben sind.

Für die sehr ersehnte zweite Auflage wünscht sich der Rezensent schon heute die Einbeziehung eines Anatomen, um die anatomischen Begriffe hinsichtlich Definition und Orthographie korrekt auszurichten. Die klinischen Abschnitte sollten von erfahrenen Klinikern und nicht von Radiologen geschrieben sein.

Das Rheuma-Kapitel sollte dringend überarbeitet werden. Die Stainsby-Arthroplastik gehört in ein neues Lehrbuch über Füße als Alternative zur Köpfchenresektion unbedingt aufgenommen.

Das von uns allen so gesuchte „Stadium 0“ der Charcot-Arthropathie sollte besonders herausgestellt werden, um uns alle an der Verringerung der Amputationsrate in Deutschland zu beteiligen. Dazu gehört auch die scharfe Abgrenzung von Osteoarthropathie und Osteomyelitis, hier muss der Radiologe sein Bestes geben und so klar wie heute möglich informieren.

Das Buch wird so in seiner zweiten Auflage den Stellenwert bekommen können, den es verdient.

Bildgebende Diagnostik des Fußes
Ulrike Szeimies, Axel Stäbler, Markus Walther
Thieme, Stuttgart; Auflage: 1.
2012, 296 S., 478 Abb., geb.
ISBN: 9783131492418, € 149,99

Sikorski A. Rezension: Bildgebende Diagnostik des Fußes. Passion Chirurgie. 2013 Februar; 3(02): Artikel 03_06.

Autor des Artikels

Dr. med. Alexander Sikorski

Malteser Fußzentrumc/o Malteser Gesundheits- und Altenhilfezentrum Bonn/Rhein-SiegGerbergasse 1-353359Rheinbach

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