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PASSION CHIRURGIE – Ausgabe 11-2020 

Die Deutsche Gesellschaft für Thoraxchirurgie (DGT) ist ein kleiner und junger Verein in der Landschaft der deutschen Chir­urgie. Die Thoraxchirurgen haben sich Ende der 80er-Jahre von den Herzchirurgen und den Allgemeinchirurgen emanzipiert und seitdem eine moderne Spezialität aufgebaut. Im Jahr 2018 wurden 184.000 Operationen an der Lunge, 2,6 Mio. am Verdauungstrakt und 4,6 Mio. am Bewegungsapparat bei insgesamt knapp 17 Mio. Operationen in deutschen Krankenhäusern durchgeführt. Erfolgreiche Chirurgie ist ein Faktor von enormer Bedeutung für die Gesundheit und Lebensqualität der Bevölkerung, erbracht durch persönliche Leistung. Die Patienten wissen dies zu schätzen.

Es existieren mittlerweile acht Lehrstühle für Thoraxchirurgie an den deutschen Universitätskliniken, die minimalinvasive Chirurgie wurde zügig implementiert, inklusive robotergestützter Chirurgie und die Kooperation mit den Pneumologen als wichtige wissenschaftliche und klinische Partner wurde vorangetrieben. In den Lungenkrebszentren der Deutschen Krebsgesellschaft werden mittlerweile über 50 Prozent der Lungenkarzinome, die in Deutschland zur Operation anstehen, reseziert.

Schon zu einem frühen Zeitpunkt haben führende Thoraxchirurgen die aufkommende internationale Diskussion um den Zusammenhang zwischen hohen Fallzahlen und guter chirurgischer Ergebnisqualität erfolgreich durch eigene bundesdeutsche Daten untermauert. Die DGT hat guten Grund zu der Annahme, das in Kürze große thorax­onkologische Eingriffe nur noch in hierfür spezialisierten Abteilungen durchgeführt werden dürfen bzw. finanziell honoriert werden. Hierdurch wird die Thoraxchirurgie weiteren Aufwind erhalten. Gewinner dieser Entwicklung sind aber vor allem die in diesen Zentren behandelten Patienten.

Unabhängig davon wurde die respektvolle Integration der chirurgischen Fächer seit Jahren von der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) propagiert. Die Erfolge bis anhin sind nur schwer erkennbar und es fehlt ein sichtbares Ziel und eine Strategie dorthin zu gelangen. Erkennbar ist eher die Tendenz, dass die Gesellschaften der chirurgischen Fächer eigene professionelle Strukturen entwickelt haben. Akademien, Forschungsförderung, Medienpräsenz und Kampagnen sowie leistungsfähige Kongresse, zum Teil mit den konservativen Fachkollegen zusammen organisiert, lassen die Fachgesellschaften für die jungen Chirurgen und Chirurginnen interessant erscheinen.

Dadurch entstehen Doppelstrukturen, Konkurrenz, teilweise auch konstruktiv, und eine Außendarstellung, die für Nicht-Chirurgen verwirrend sein kann. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass die Fachgesellschaften in der DGCH und dem Berufsverband der Deutschen Chirurgen (BDC) aktiv zusammenarbeiten. Die Kooperation mit den politischen Gremien muss bei so wichtigen Themen wie Weiterbildung und Krankenhausstrukturen abgestimmt werden. Die Digitalisierung in der Verwaltung (z. B. Mitgliederverwaltung), in der Aus- und Weiterbildung (z. B. Online-Plattformen wie die eAkademie des BDC) und in der Kommunikation ist technisch aufwändig und teuer. Eigene Erfahrungen bei neuen Projekten zu sammeln lohnt sich nicht immer, wenn man auf bewährte Strukturen zurückgreifen kann.

In der Zusammenfassung sehen wir in der engen Kooperation mit dem BDC und der gemeinsamen Nutzung der Ressourcen eine nachhaltige Chance, um in der Chirurgie insgesamt weiter zu kommen (s. Systemtheorie). Dieses Themenheft soll den Mitgliedern des BDC unser Fach in diesem Sinne näherbringen.

Stoelben E: Editorial: Thoraxchirurgie und der BDC. Passion Chirurgie. 2020 November; 10(11): Artikel 01.

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Autor des Artikels

Prof. Dr. med. Erich Stoelben

Chefarzt, Lungenklinik Köln MerheimLehrstuhl ThoraxchirurgiePrivate Universität Witten/Herdecke kontaktieren

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