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Höchste Präzision und feinste Nahttechniken – Faszination Gefäßchirurgie

 

 

Beruf und Leben als Gefäßchirurgin

Die Gefäßchirurgie umfasst die operative Behandlung der Blutgefäße bei Erkrankung (Fehlbildung, Arterienverkalkung und Venenleiden) oder nach Unfall durch Anlegen von Gefäßbypässen oder Protheseneinlage.

Neben den operativen Eingriffen erlernt man als Gefäßchirurg:in auch die instrumentellen Untersuchungsmethoden zur Diagnostik und Beurteilung des Gefäßzustandes. Zum Aufgabengebiet gehören die arteriellen Verschlusskrankheiten wie auch Gefäßmissbildungen und Krampfaderleiden. Gefäßchirurg:innen müssen große Rohrprothesen für die Hauptschlagadern in Brust und Bauch, aber auch kleinste Bypässe am Fuß legen können. Höchste Präzision und feinste Nahttechniken zeichnen sie ebenso aus, wie eine exakte Indikationsstellung.

Interview mit Dr. Kerstin Schick

Niedergelassene Gefäßchirurgin, Mün­chen

Das Interview können Sie auch im YouTube-Kanal des BDC anschauen:

www.bit.ly/SchickInterview

BDC: Faszination Gefäßchirurgie – was ist für Sie das Beste am Fach?

Kerstin Schick: Die Gefäßchirurgie ist ein großartiges Fach! Es umfasst anspruchsvolle handwerkliche Tätigkeiten und ist ideal für jemanden, der chirurgische Herausforderungen sucht. Außerdem ist das Tolle an dem Fach, dass es sowohl ambulant als auch stationäre Tätigkeitsfelder gibt und man damit beruflich nicht ausschließlich an eine Klinik gebunden ist. Und es umfasst vom Patientengut die gesamte Bevölkerung, es gibt alte und junge Patienten, Männer und Frauen und alle sozialen Schichten. Es ist ein sehr vielseitiges chirurgisches Fach, das viel Raum zur individuellen Entfaltung bietet. Gerade die Niederlassung bietet nämlich enorme Vorteile, speziell auch unter dem Aspekt der Vereinbarkeit von Familie und Beruf – keine Nachtdienste, keine Feiertagsdienste, relativ freie Zeiteinteilung. Kein Chef, der zustimmen muss, ob man am Geburtstag der Tochter frei haben kann. Die Lebensqualität des beruflichen Alltags ist dadurch enorm hoch. Mir hat sich 2013 eine solche Chance geboten. Und ich musste nicht lange überlegen, die Möglichkeit zu ergreifen in eine tolle gefäßchirurgische Praxis als Partnerin einzusteigen und habe diesen Schritt bislang keine Sekunde bereut.

BDC: Aus heutiger Perspektive: Was würden Sie Ihrem jüngeren Ich im Studium mitgeben?

KS: Ich wusste schon sehr früh, dass ich Ärztin werden möchte und auch schon sehr bald in meinem Studium, dass es unbedingt die Chirurgie werden sollte. Ich habe daher meine Ausbildung sehr auf die chirurgischen Fächer ausgerichtet, was für meinen Weg insgesamt sehr gut war. Heute würde ich eventuell noch viel mehr rechts und links schauen um den eigenen Horizont in alle Himmelsrichtungen zu erweitern.

BDC: Hand aufs Herz: Wie gelingt die Balance zwischen Beruf & Familie?

KS: Die beruflichen Herausforderungen und die Herausforderungen durch eine eigene Familie parallel zu meistern ist nicht leicht und im Alltag sehr anspruchsvoll. Wahrscheinlich kommt dabei jede Kollegin auch einmal an ihre Grenzen. Dabei sind es jedoch nicht nur die täglichen Anforderungen, die schwierig sind. Nach meiner Meinung ist es vielmehr die Unzufriedenheit der Frauen mit sich selber, da man bei diesem Weg häufig Abstriche in der Perfektion machen muss. Manches läuft nicht ganz rund, manches Mal kann der Kuchen fürs Kindergartensommerfest eben nicht mehr gebacken, sondern muss nach der Arbeit noch schnell gekauft werden. Vielleicht ist das Faschingskostüm der Kinder als einziges in der Schule nicht selbstgenäht. Dann muss man seinen Anspruch darauf reduzieren, dass man es möglich gemacht hat dabei zu sein. Frauen sind häufig zu hart, zu kritisch mit sich selbst und schaffen dabei so viel Unglaubliches. Die Herausforderung des Spagates von Beruf und Familie liegt in unserer eigenen Zufriedenheit, im Erlernen mit Kompromissen zu leben und sich immer wieder zu sagen: „Das, was ich tue ist richtig gut!“

BDC: Wenn Sie auf Ihre chirurgische Laufbahn schauen: wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

KS: Um ehrlich zu sein, sehe ich mich in zehn Jahren genau da, wo ich heute auch bin: in einem gut funktionierenden Gefäßzentrum mit zufriedenen Patientin und fröhlichen Mitarbeitern und Kollegen. Das ist eine Tätigkeit, die mich sehr ausfüllt und ich mir auch noch in zehn Jahren gut vorstellen kann.

BDC: In schwierigen Zeiten – was oder wer hat Sie motiviert dranzubleiben?

KS: Meine Motivation in schwierigen Zeiten war immer mein Ehrgeiz und ein klares Ziel vor Augen, das ich erreichen wollte. Außerdem hatte ich zum Glück immer liebe Menschen an meiner Seite, die mich unterstütz haben, die bedingungslos hinter mir standen und mir das Gefühl gegeben haben, dass ich alles schaffen könnte, was ich wollte.

BDC: Gab es ein entscheidendes Erlebnis, das Sie motiviert hat?

KS: Eine erste OP, der ich nach meinem Abitur mit 19 Jahren beiwohnen durfte, hat mich so fasziniert, dass ich mir vorgenommen habe, genau das auch einmal zu tun in meinem Leben. Und zum Glück durfte ich diesen Weg gehen und darf heute jeden Tag das machen, was ich am allerliebsten tue – Gefäßchirurgin sein.

BDC: Wie wichtig war für Sie ein Netzwerk?

KS: Netzwerke sind ausgesprochen wichtig. Aber in meinen Augen nicht dafür, dass sich Mitglieder eines Netzwerkes bestimmt Positionen auf der Karriereleiter ermöglichen, sondern dafür, dass man in Netzwerken auf Menschen trifft, die einen begleiten, die einem vor allem einfach zuhören, gute Ratschläge geben, neue Blickwinkel vermitteln, die Ideen haben und von eigenen Fehlern berichten. Die Stärke eines Netzwerkes liegt darin, mit Menschen zusammen zu kommen, die einem Impulse für den eigenen Weg geben.

Fazit: Jede und jeder sollte dem eigenen inneren Antrieb folgen, den eigenen Wünschen und Zielen. Es ist so viel mehr möglich als man denkt!

 

Schick K: Nachwuchskampagne NurMut! Höchste Präzision und feinste Nahttechniken – Faszination Gefäßchirurgie. Passion Chirurgie. 2021 Juni; 11(06): Artikel 09_01.