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Schwerer Verlauf, Mindestmengen, Teilnahmevoraussetzungen: Die Anforderungen an die ambulante spezialfachärztliche Versorgung wurden an einigen Stellen angepasst. Unter anderem wurde der Kreis der Patienten und Ärzte erweitert, der für eine ASV-Behandlung von onkologischen Erkrankungen infrage kommt.

Damit Patienten mit onkologischen Erkrankungen in der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) behandelt werden können, musste die Krankheit bislang einen „schweren Verlauf“ aufweisen. Dieses Zugangskriterium wurde jetzt gestrichen – eine Vorgabe des Gesetzgebers im Versorgungsstärkungsgesetz. Das gilt dann auch für rheumatische Erkrankungen, die bislang allerdings noch nicht in der ASV behandelt werden können.

Auch nach dem Wegfall des „schweren Verlaufs“ bleibt der neue Versorgungsbereich Patienten vorbehalten, deren Erkrankung einen besonderen Krankheitsverlauf aufweist. Das ist der Fall, wenn die Patienten aufgrund der Ausprägung der Tumorerkrankung eine multimodale Therapie oder Kombinationschemotherapie benötigen. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat diesen „besonderen Krankheitsverlauf“ in den onkologischen Anlagen zur ASV-Richtlinie konkretisiert.

Neuer Patientenkreis, neue Mindestmengen

Durch den erweiterten Patientenkreis mussten unter anderem die Mindestmengen angepasst werden. Ärzte eines ASV-Teams, das für die Behandlung von gastrointestinalen Tumoren berechtigt werden will, müssen künftig 230 Patienten mit einer entsprechenden Diagnose behandelt haben (bisher: 140). Bei gynäkologischen Tumoren sind 310 Patienten vorgesehen (bisher: 250). Für die Berechnung ist die Summe aller Patienten maßgeblich, die die Mitglieder des Kernteams in den zurückliegenden vier Quartalen vor der Antragsstellung behandelt haben.

Auch gilt künftig eine Überweisung in die ASV nur noch zwei und nicht mehr vier Quartale. Der TNM-Status des Patienten ist bei der ASV-Abrechnung zum Nachweis der Indikation nicht mehr verpflichtend anzugeben.

Gruppe der ASV-Ärzte erweitert

Nunmehr dürfen auch einige Fachärzte ohne spezialisierte Fachkompetenz an der ASV teilnehmen. Dies betrifft unter anderem internistische Fachärzte, die nicht Fachärzte für Hämatologie und Onkologie sind. Voraussetzung ist, dass sie im Rahmen der Onkologie-Vereinbarung seit Jahren onkologische Leistungen durchführen. Dies gilt entsprechend für Gynäkologen, die keinen Schwerpunkt gynäkologische Onkologie haben.

Auch internistische Fachärzte, denen ihre Kassenärztliche Vereinigung eine Zulassung und Genehmigung zur Durchführung von gastroenterologischen Leistungen erteilt hat, können künftig an der ASV teilnehmen.

Weitere Änderungen der Richtlinie

Weitere Anpassungen betreffen die ASV-Richtlinie, die seit Sommer 2013 in Kraft ist und die Anforderungen regelt, die grundsätzlich für alle ASV-Indikationen gelten. So wurde klargestellt, dass es sich bei den gemeinsamen Sprechstunden der Teammitglieder um eine „Kann-Regelung“ handelt.

Ferner steht jetzt fest, dass die ASV-Teams nicht alle, sondern nur die „im Einzelfall erforderlichen“ Leistungen aus dem Appendix der jeweiligen Anlage vorhalten müssen. Was das genau heißt, regelt die KBV mit dem GKV-Spitzenverband und der Deutschen Krankenhausgesellschaft in den Tragenden Gründen zum Beschluss.

Hinweis zum Inkrafttreten der Beschlüsse

Das Bundesgesundheitsministerium muss die Beschlüsse noch prüfen. Bei einer Nichtbeanstandung treten sie am Tag nach der Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft.

Wegfall „schwere Verlaufsformen“

Die ambulante spezialfachärztliche Versorgung ist ein Versorgungsbereich für Patienten, die an einer komplexen, schwer therapierbaren Krankheit leiden, die eine spezielle Qualifikation der Ärzte, eine interdisziplinäre Zusammenarbeit und eine besondere Ausstattung erfordert. Hierzu gehören insbesondere Erkrankungen mit besonderen Krankheitsverläufen wie Krebs, Rheuma und HIV/Aids sowie seltene Erkrankungen wie Tuberkulose und Mukoviszidose.

Bei den Erkrankungen mit besonderen Krankheitsverläufen sollten ursprünglich nur die Patienten in der ASV behandelt werden, deren Krankheit schwer verläuft. Diese Einschränkung hat der Gesetzgeber für onkologische und rheumatologische Erkrankungen aufgehoben. Bei allen anderen Erkrankungen mit besonderen Krankheitsverläufen wie Herzinsuffizienz oder Multiple Sklerose bleibt das Kriterium „schwere Verlaufsform“ bestehen.

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat aufgrund der gesetzlichen Änderung die Anlagen zur ASV-Richtlinie, die Näheres zur onkologischen Behandlung in der ASV regeln, entsprechend angepasst und dabei den „besonderen Krankheitsverlauf“ konkretisiert. Danach können Patienten mit einem Tumor in der ASV behandelt werden, wenn sie eine multimodale Therapie oder Kombinationschemotherapie benötigen. Das bedeutet, es ist entweder als Primärtherapie oder als adjuvante oder neoadjuvante Therapie eine systemische Therapie und/oder eine Strahlentherapie indiziert, die einer interdisziplinären oder komplexen Versorgung oder einer besonderen Expertise oder Ausstattung bedarf.

Weiterführende Informationen
Pressemitteilung des G-BA: G-BA vervollständigt ASV-Beschluss (Stand: 21.01.2016)
Beschluss des G-BA zu Änderungen der ASV-Richtlinie und der Anlage gynäkologische Tumoren (Stand: 17.12.2015)
Beschluss des G-BA zu Änderungen der Anlagen gastrointestinale Tumoren und Marfan-Syndrom (Stand: 17.12.2015)
ASV-Richtlinie des G-BA
KBV-Themenseite ASV
PraxisNachrichten: Neue ASV-Indikation kann an den Start gehen

Quelle: Kassenärztliche Bundesvereinigung, Herbert-Lewin-Platz 2, 10623 Berlin, http://www.kbv.de

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