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BÜNDNIS JUNGE ÄRZTE

Gemeinsames Symposium: Bündnis JUNGE ÄRZTE und Bundesärztekammer

Am Vortag des Deutschen Ärztetages fand im Mai ein gemeinsames Symposium des Bündnis JUNGE ÄRZTE und der Bundesärztekammer zum Thema: „Medizin der Zukunft – durch Junge Ärzte heute“ statt. Unter der Moderation von Frau Jessica Hanneken diskutierten mehr als 100 Teilnehmer (Abb. 1) und Gäste zu drei Themenkomplexen (Abb. 2):

1. Arztsein in Zeiten der Arbeitsverdichtung

2. Kind und Klinik: Geht nicht, gibt’s nicht

3. Forschung und Weiterbildung: Wie geht das zusammen?

Abb. 1: Teilnehmer des Symposiums „Medizin der Zukunft – durch junge Ärzte heute”

Ziel dieses gemeinsamen Symposiums war es, der jungen Generation von Ärzten die Möglichkeit zu geben, ihre Sorgen und Nöte den Delegierten des Ärztetages aufzuzeigen. In den je 45-minütigen Themenblöcken, die durch ein jeweils fünfminütiges Impulsreferat durch Vertreter des Bündnis JUNGE ÄRZTE eingeleitet wurden, sollte vor allem viel diskutiert und sich ausgetauscht werden. Davon ist während des Symposiums rege Gebrauch gemacht worden. In den Diskussionsrunden war zu erkennen, dass die Ansichten der unterschiedlichen Generationen in einigen Themenblöcken gar nicht so weit auseinanderlagen. In anderen Bereichen – gerade beim Thema Weiterbildung – zeigte sich jedoch, dass hier die empfundene Wirklichkeit deutlich variierte. Die Delegierten mahnten die zurückhaltende Mitarbeit der jungen Generation in den Ärztekammern an. Darauf wurde vom Bündnis JUNGE ÄRZTE erwidert, dass es der Wahlturnus von fünf Jahren den jungen Kollegen sehr schwer mache, sich in die Kammern wählen zu lassen. Hier wurde auch von dem Bundesärztekammerpräsidenten Prof. Montgomery Handlungsbedarf gesehen.

Abb. 2: Themenkomplexe des Symposiums

Im Impulsreferat „Arztsein in Zeiten der Arbeitsverdichtung“ (M. Krüger) (Abb. 3) wurde die zunehmende Knappheit der ärztlichen Ressourcen in den nächsten 20 bis 30 Jahren thematisiert: Denn neben dieser Veränderung ist es gleichzeitig – seit der Einführung der DRG – zu einer enormen Arbeitsverdichtung gekommen. Immer mehr Patienten werden in immer kürzeren Zeitintervallen behandelt. Die demographische Entwicklung mit zunehmenden Altersindex und damit verbundener Komorbidität der Patienten potenziert dieses noch. Die klinikinternen Strukturen haben sich in den letzten Jahren hingegen kaum verändert. Immer mehr ist der Arzt abseits des Patienten mit Dokumentationsaufgaben und zum Teil mit Rechtfertigungen beschäftigt. Mitunter wird der Arzt mehr als Kostenfaktor denn als Leistungsfaktor im System Gesundheitswesen wahrgenommen. Die fehlende Wertschätzung der ärztlichen Leistung trägt damit nicht zur Attraktivität des Berufes bei. In der Diskussion wurde deutlich, dass ärztliche Kernkompetenzen wieder mehr in den Fokus rücken sollten. Dies beinhaltet natürlich auch eine ehrliche Diskussion um Delegation von Leistungen, die der Ärzteschaft in den letzten Jahren unter dem Deckmantel der Qualitätsoffensive übergestülpt worden ist.

Ein weiterer Themenschwerpunkt war die Frage nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie unter Berücksichtigung von Kind und Karriere. Man war sich einig, dass Kind und Karriere in der modernen medizinischen Versorgung kein Ausschlusskriterium sein darf. Die Schaffung von Krankenhäusern als familienfreundliche Arbeitgeber gehört zu den wichtigsten Merkmalen eines attraktiven Arbeitsplatzes. Vielfach sind es strukturelle Probleme und das Verharren in alten Denkmustern, die das Entstehen von kreativen Strukturen behindern. Hier gibt es noch enormes Optimierungspotenzial. Vielleicht müssen wir Medizin neu denken und althergebrachte Versorgungs- und Organisationsstrukturen überdenken. Immerhin haben wir aber in den letzten Jahren schon deutlich mehr erreicht. Es reicht aber noch nicht aus.

Im letzten Themenkomplex bei dem Symposium ging es um die Weiterbildung. Hier wurde durch das Bündnis JUNGE ÄRZTE der Schwerpunkt Forschung und Weiterbildung gewählt. Die wahrgenommene Weiterbildungsqualität und gerade die Vereinbarkeit von Forschung, Klinik und Weiterbildung wird unterschiedlich gewichtet und zum Teil auch anders von den Ärztekammern interpretiert. Gerade die schwierige Anrechenbarkeit von Forschungszeiten in der Weiterbildung mahnten die jungen Kollegen an. In der Diskussionsrunde mit Dr. Bartmann wurde deutlich, dass die neue Weiterbildungsordnung von festgelegten Zeiten hin zu Kompetenzen weiterentwickelt werden sollte. Dies wird auch vom Bündnis JUNGE ÄRZTE begrüßt. Forschung als Weiterbildungskompetenz findet allerdings nur spärlich Einzug in die Musterweiterbildungsordnung, da Universitäten und Forschungseinrichtungen originär für die Absicherung der medizinischen Forschung verantwortlich sind. In der Diskussion wurde sehr deutlich, dass zwischen wissenschaftlicher Interpretationskompetenz und Forschungskompetenz unterschieden werden muss. Letztendlich war man sich darüber einig, dass den forschenden Ärzten keinesfalls ein Nachteil durch ihre medizinische Tätigkeit in der Forschung entstehen darf. Jedoch bezieht sich die Weiterbildung auf die klinische Tätigkeit in der Versorgung unserer Patienten. Es sollte daher ein Kompromiss gefunden werden, der beides in einer modernen Weiterbildungsordnung abzubilden vermag.

Abb. 3: Dr. M. Krüger bei seinem Impulsreferat „Arztsein in Zeiten der Arbeitsverdichtung“

Insgesamt muss das Symposium als großer Erfolg gewertet werden. Die regen und vielfältigen Diskussionen, die selbst die Moderatorin als Glücksfall bezeichnete, geben den Veranstaltern recht. Auch im nächsten Jahr soll es wieder eine derartige Veranstaltung am Vortag des Ärztetages geben. Lassen Sie uns auch dann wieder gemeinsam über die Zukunft der medizinischen Versorgung in Deutschland diskutieren.

Krüger M. Medizin der Zukunft – durch junge Ärzte heute. Passion Chirurgie. 2016 September, 6(09): 
Artikel 02_05.

Autor des Artikels

Profilbild von Dr. med. Matthias Krüger

Dr. med. Matthias Krüger

Leiter Ressort Nachwuchsförderung im BDCKlinikum Magdeburg gGmbHKlinik für Allgemein- und ViszeralchirurgieBirkenallee 3439130Magdeburg kontaktieren

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