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Für eine wissenschaftlich fundierte Patientenversorgung braucht es wissenschaftlich tätige Medizinerinnen und Mediziner: Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) e.V. setzt sich daher seit vielen Jahren dafür ein, wissenschaftliches Arbeiten von ärztlichem Fachpersonal stärker zu fördern. Initiativen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) „Clinician Scientists“ mit Forschungs- und Weiterbildungsprogrammen zu unterstützen, sei daher der richtige Weg. Allerdings fehle es immer noch an attraktiven Karrierewegen für forschende Ärztinnen und Ärzte. Außerdem müssten Zeiten für Forschung während der Weiterbildung auch auf diese angerechnet werden.

Patientenversorgung, Lehre und Wissenschaft: Diese drei Aufgaben haben lange Zeit den Alltag von Ärztinnen und Ärzten, insbesondere in der Universitätsmedizin, geprägt. Allerdings fehlt heute vielen von ihnen aufgrund der Arbeitsverdichtung in der Krankenversorgung die Zeit für Forschungsaktivitäten. Auch gibt es für junge, im ärztlichen Dienst Tätige wenige berufliche Perspektiven und attraktive Karrierewege in der medizinischen Wissenschaft: Wer forschen will, muss das nicht selten am Feierabend, in seiner Freizeit, machen. „Die enge Verknüpfung von Forschung und Versorgung ist in der Medizin jedoch wichtig, um Forschungserkenntnisse rasch in die Versorgung zu überführen oder um Erfahrungen aus der Versorgung unmittelbar in die Forschung einfließen zu lassen“, betont AWMF-Präsident Professor Dr. med. Rolf Kreienberg.

Das Problem hat auch die Bundesregierung erkannt und in ihrem Koalitionsvertrag die „bundesweite Implementierung von ‘Clinician Scientist-Programmen‘“ vorgesehen. Im Jahr 2018 hat die DFG zum ersten Mal solche Programme ausgeschrieben. Derzeit werden 13 Forschungsprogramme für medizinische Nachwuchskräfte gefördert, die sich in der Weiterbildung zur Fachärztin/zum Facharzt befinden. Die Programme sollen sie zu wissenschaftlichem Arbeiten während der Weiterbildung motivieren und über ein forschungsbezogenes Curriculum sowie verbindliches Mentoring für Forschung qualifizieren. Allerdings werden Forschungszeiten derzeit durch die Landesärztekammern zum Teil nur sehr begrenzt und unterschiedlich für die Facharztweiterbildung anerkannt. „Das muss sich dringend ändern, da sich die gesamte Weiterbildungszeit für forschende Medizinerinnen und Mediziner sonst deutlich verlängert“, kritisierte Professor Dr. med. Leena Bruckner-Tuderman, Vizepräsidentin der DFG, bei der letzten AWMF-Delegiertenkonferenz. Das sei für das junge ärztliche Personal nicht attraktiv und behindere ihre Karriere, anstatt sie zu befördern. „Die AWMF wird sich weiterhin dafür einsetzen, dass Forschungszeiten angemessen für die Fachärzteweiterbildung angerechnet werden“, betont daher auch Professor Dr. med. Rolf-Detlef Treede, stellvertretender Präsident der AWMF.

Eine weitere wichtige Maßnahme ist es, den an Forschung interessierten jungen Medizinerinnen und Medizinern attraktive Karrierewege zu eröffnen. Ein Schritt in diese Richtung sind „Advanced Clinician Scientist- Programme“. Diese wenden sich an diejenigen, die ihre Weiterbildung zur Fachärztin/zum Facharzt bereits abgeschlossen haben und zum Teil schon in einer Leitungsfunktion sind. Denn auch nach der Weiterbildung braucht es vertraglich geschützte Zeiten für Forschung. Außerdem haben diese Programme, die jetzt starten sollen, einen weiteren wichtigen Effekt: Diese Forschenden können ihrerseits über eigene Arbeitsgruppen den Nachwuchs an wissenschaftliches Arbeiten heranführen.

Beide Programme sind gut, aber sie reichen noch nicht aus. Auch innerhalb des Studiums müssten mehr wissenschaftliche Grundlagen vermittelt werden, so Treede. Eine wichtige Rolle kommt außerdem den wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften zu, die ihrerseits Nachwuchsakademien schaffen, klinische Studien zu speziellen Themen unterstützen oder die Vernetzung der „Clinician Scientists“ begleiten können. Die AWMF ist sich sicher: Man braucht die Unterstützung aller beteiligten Akteure. Denn ohne eine krankheitsorientierte und patientennahe Forschung wird nicht nur die Qualität der medizinischen Forschung in Deutschland sinken, sondern auch die Qualität der Patientenversorgung.

Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V., Birkenstr. 67, 10559 Berlin, www.awmf.org, 04.07.2019

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