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Motivation

Meine erste Mediastinoskopie erfolgte ohne Videotechnik. Der Oberarzt stand daneben und vertraute darauf, dass ich mich mit dem Endoskop zwischen Trachea, V. cava superior, Truncus bracheocephalicus, Aortenbogen, N. recurrentes und Pulmonalarterie sicher bewegte. Ich hatte nie vorher einen intraoperativen Situs gesehen, da es damals keine Videotechnik gab und aus dem gleichen Grund konnte der Oberarzt nicht sehen, was ich tat. Obwohl die Mediastinoskopie seit 1954 eingesetzt wurde, stand die Videotechnik erst seit den 90er-Jahren zur Verfügung. Der Patient überlebte die Operation ohne Komplikationen.

Warum die Übung gelang? Eine Kombination aus dem Selbstvertrauen eines jungen Chirurgen, der noch nicht viele schwere Komplikationen erlebt hatte, das Vertrauen des Oberarztes in mich, genaue anatomische Kenntnisse der Region und detaillierte Beschreibungen aus Büchern. Heute ist die Technik in Form der Videomediastinoskopie moderner und erlaubt eine direkte Kontrolle durch den Oberarzt. Weiterhin kann man Eingriffe von erfahrenen und geschickten Operateuren als Videos in guter Qualität sehen. Genügt das, um Thoraxchirurgie zu lernen und erfolgreich anzuwenden? Können wir auf Operationskurse verzichten?

Kursstruktur

Unser Operationskurs besteht aus drei Teilen:

  • Teilnahme an videoassistierten, endoskopischen Operationen im Operationssaal,
  • Durchführung der gleichen Operation an einem frischen Tierpräparat und
  • Seminare zur perioperativen Betreuung und Durchführung.
  • Es werden in einer Woche drei Kurse mit unterschiedlichen Niveaus und für Teilnehmer mit entsprechendem Interesse angeboten:
  • Grundkurs Thoraxchirurgie: 16 Teilnehmer an zwei Tagen. Inhaltlich werden Standardeingriffe in der Thoraxchirurgie geübt von videothorakoskopischer Keilresektion bis offene Lobektomie.
  • Kurs für Fortgeschrittene „Videoassistierte anatomische Lungenresektion“: zu je acht Teilnehmern parallel an zwei Tagen.
  • Kurs für Fortgeschrittene „Manschettenlobektomie“: zu je acht Teilnehmern parallel an zwei Tagen.

Die Teilnehmer werden aufgeteilt in vier Gruppen mit je einem Tutor. Eine Gruppe pro OP-Saal und jeweils zwei Teilnehmer an einem Frischpräparat sind für den praktischen Teil vorgesehen. Die praktischen Übungen nehmen 80 Prozent der Zeit ein, die Seminare decken 20 Prozent der Zeit ab. Jeder Teilnehmer sieht zwei Operationen live und führt je zwei Operationen am Frischpräparat durch. Am ersten Abend des Kurses wird immer ein gemeinsames Abendessen für die Kursteilnehmer und die Tutoren in einem Kölsch-Brauhaus angeboten (Information für bayrische Leser und Leserinnen: Kölsch bezeichnet eine Brauspezialität der Stadt Köln).

Tab. 1: Zeitplan Kurs als Beispiel

Kursorganisation

Das Ausbildungsniveau der Kursteilnehmer reicht von JungassistentInnen bis ChefärztInnen entsprechend dem Kursprofil. Dabei sind die jüngeren Kursteilnehmer eher Mitglieder des Berufsverbands der Deutschen Chirurgen (BDC), während die thoraxchirurgisch spezialisierten Teilnehmer auch Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie (DGT) sind. Dementsprechend haben wir uns vor Jahren entschieden, den Grundkurs als BDC-Kurs in Kooperation mit der DGT anzubieten. Hier erfolgt die Organisation komplett über die Seminarabteilung der BDC|Akademie. Die Kurse für Fortgeschrittene werden in Kooperation mit dem BDC durch unser Kliniksekretariat und Mitarbeiter der Klinik organisiert. Mitglieder des BDC und/oder der DGT erhalten einen Rabatt auf die Kursgebühr von 20 Prozent. Diese enge Kooperation hat sich auch durch die sehr professionelle Tätigkeit der BDC|Akademie uneingeschränkt bewährt.

Erfahrung

Die Arbeit in kleinen Gruppen mit mehreren Tutoren erlaubt eine intensive Betreuung jedes Teilnehmers mit viel Zeit für persönlichen Austausch. Die Teilnehmer sind in der Regel an vielen Details bei der Durchführung von Operationen interessiert. Dabei überraschen immer wieder die großen Unterschiede im Verständnis von der Operationsplanung über die Durchführung der Operation bis zur postoperativen Betreuung. Wir haben versucht, unsere alltägliche chirurgische Arbeit durch systematische Beobachtung eigener (publizierter) Ergebnisse und Analysen der wissenschaftlichen Publikationen anderer, auf eine wissenschaftliche Basis zu stellen. Einerseits folgt daraus ein hoher Grad an Standardisierung, andererseits konnte vieles entfallen, wofür eine gute Empfehlung fehlt. Hierbei handelte es sich um einen kontinuierlichen Prozess über einige Jahre, wobei auch althergebrachte Empfehlungen über Bord geworfen werden mussten. Gerade diese Haltung mit der Reduktion auf das Wesentliche und Festlegung auf bestimmte Abläufe führt regelmäßig zu spannenden Diskussionen mit den Teilnehmern, in deren Kliniken Techniken und Abläufe teilweise wesentlich anders gehandhabt werden. Die Reaktion reicht von definitiver Ablehnung über freundliche Kenntnisnahme bis zu der Idee, das Neuerlernte in der eigenen Klinik umzusetzen. Die Resonanz auf den Kurs ist durchweg gut bis sehr gut, zeigt der Erhebungsbogen am Ende des Kurses.

Bedeutung

Die DGT wird von etwa 600 Mitgliedern getragen. Der Kurs soll im November 2020 zum zehnten Mal stattfinden. Bei 32 Teilnehmern pro Kurskombination haben somit rechnerisch die Hälfte aller Mitglieder der DGT den Kurs besucht. Der persönliche Kontakt zu den Kollegen ist für die Kursteilnehmer und uns eine Bereicherung und führt zu neuen andauernden Bekanntschaften in der Szene der Thoraxchirurgie, die auf anderen Veranstaltungen wie Kongressen so nicht möglich wären. Neben dem inhaltlichen medizinischen Austausch entsteht so auch ein persönliches Beziehungsnetz in der DGT, das zum Erfolg der DGT als wissenschaftliche Fachgesellschaft und Interessenvertretung der DGT beiträgt.

Große thoraxchirurgische Kliniken mit wissenschaftlichem Anspruch, sprich universitäre Kliniken, sollten ihr Potential nutzen, moderne Thoraxchirurgie zu definieren und neben den Präsentationen auf Kongressen in praktischen Kursen zu vermitteln. Nicht universitäre Abteilungen können so effizient und schnell an der Entwicklung der Thoraxchirurgie teilhaben.

BDC | Akademie

FORTBILDUNGEN ZUR THORAXCHIRURGIE

Facharztseminar Thoraxchirurgie (in Kooperation mit der DGT)

16. bis 18. Juni 2021 in Erlangen
Seminarleiter: Prof. Dr. Dr. Horia Sirbu

 

Thoraxchirurgischer Grundkurs Teil I
22. und 23. November 2021 in Köln
Seminarleiter: Prof. Dr. Erich Stoelben

 

Mehr Informationen und zur Anmeldungen…

Stoelben E: Akademie aktuell: Operationskurs in der Thoraxchirurgie, zehn Jahre Erfahrung. Passion Chirurgie. 2020 November; 10(11): Artikel 04_02.

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Autor des Artikels

Prof. Dr. med. Erich Stoelben

Chefarzt, Lungenklinik Köln MerheimLehrstuhl ThoraxchirurgiePrivate Universität Witten/Herdecke kontaktieren

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