 | Prof. Dr. med. Rainer Gradinger |
Im Namen der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie gratuliere ich dem Berufsverband der Deutschen Chirurgen zu seinem 50-jährigen Bestehen. Das sind zwei Chirurgengenerationen!
Am 23. April 1960 wurde der BDC im Deutschen Museum in München während der 77. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie gegründet.
Warum? - Es war Bedarf da!
Die nachrückenden Chirurgengenerationen hatten einen Vertretungsbedarf, der von der eher wissenschaftlich ausgerichteten Deutschen Gesellschaft für Chirurgie nicht gedeckt wurde. Es ging um die Stellung des Arztes in der Gesellschaft und seine Vertretung gegenüber den Kostenträgern, den Behörden und anderen. Es ging natürlich auch um Gebührenordnung und Vertretung der chirurgischen Berufsbelange in den Körperschaften des öffentlichen Rechts, gegenüber dem Staat und den staatlichen Instutitionen. Die nachrückende Generation der Chirurgen in der Weiterbildung suchten Begleitung und Unterstützung. All dies hat sich der BDC auf die Fahne geschrieben und erfolgreich vertreten.
Heute stellt sich die Situation so dar, dass Berufsverbände in chirurgischen Fächern – je nach Größe – absolut sinnvoll sind. Fraglos ist auf diesem Feld eine Weiterentwicklung notwendig. Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie hat zum Teil überlappende Arbeitsgebiete, wobei insbesondere die wissenschaftliche Weiterentwicklung des Fachgebietes Chirurgie aber auch die qualifizierte Weiterbildung zu nennen sind, die ureigenste Arbeitsfelder der DGCH waren und sind. Überschneidungen gibt es auf dem Gebiet der Weiterbildungsveranstaltungen, die von ein und denselben Personen, die dem BDC oder der DGCH oder beiden angehören, bestritten werden.
Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie wird heute von 10 Säulen getragen:
- Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie
- Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie
- Deutsche Gesellschaft für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie
- Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie,
- Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
- Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie
- Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgie
- Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie
- Deutsche Gesellschaft für Thoraxchirurgie
- Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie
Es ist in meinen Augen notwendig, den BDC in die Gesamt-entwicklung einzubeziehen und nicht als Konkurrenz zu betrachten. Die deutschen Chirurgen brauchen eine gemeinsame Vertretung, die ihre Belange nach außen, insbesondere in die Politik hinein, vertritt. Der Zusammenschluss von insgesamt 10 chirurgischen Fachgesellschaften unter dem Dach der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie zeigt, dass dies erkannt wurde.
Die Diskussionen, die ich persönlich im Präsidium der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie und mit den Vertretern des BDC erlebt habe, zeigen, dass alle die Notwendigkeit und die Sinnhaftigkeit der engen Kooperation zwischen der DGCH und dem BDC erkannt haben. Unsere Konkurrenten und Mitbewerber um Ressourcen finden wir in den anderen medizinischen Fächern. Hier geht es um Forschungsressourcen, hier geht es um Nachwuchsressourcen, hier geht es um Klinikressourcen. Entscheidend für den Erfolg der chirurgischen Fächer ist die Gewinnung von qualifiziertem Nachwuchs.
Hier sind DGCH wie BDC gemeinsam gefragt. Das ist die gemeinsame Verantwortung! Wir sind auf einem guten Weg – wir dürfen diesen nicht verlassen!
Prof. Dr. R. Gradinger
Präsident 2009/2010 |